Das Sakrament
Erstellt am: März 10th, 2008Will Rabjohns ist ein desillusionierter Fotograf, der sich darauf spezialisiert hat, vom Aussterben bedrohte Tierarten abzulichten. Der Angriff eines Eisbären endet fast fatal; aber im Koma kommt in ihm die Erinnerung an ein mysteriöses Kindheitserlebnis hoch. Jacob Steep und Mrs McGee, das seltsame Paar, dem er als Zwölfjähriger begegnete, üben noch jetzt ihren Zauber auf ihn aus. Will Rabjohn muss sich seinen Erinnerungen stellen, den Gespenstern seiner Vergangenheit die Stirn bieten. Was als Reise in das Selbst beginnt, wird unversehens zur Suche nach einem verwunschenen Ort, dem „Domus Mundi“ – Haus der Welt, in dem es zum letzten Showdown kommt.
Clive Barker zeichnet in seinem Roman eine sterbende Welt, gleich ob er nun mächtige Eisbären beschreibt, die auf einer Müllkippe nach Futter suchen, oder den vom Aidsvirus bedrohten Glamour der Schwulenszene von San Francisco.
In „Sacrament“ läßt Clive Barker seinen Gefühlen für die Ökologie freien Lauf, wie es scheint. Sein Protagonist Will Rabjohns hat nicht nur ein Herz für Tiere, sondern ist auch noch homosexuell, so dass Clive Barker eine Lanze für eine Minderheit brechen kann. Und das tut er gekonnt, auf eine recht dezente, unaufdringliche Art und Weise. Hier enthüllt sich der wahre Meister des geschriebenen Wortes.
Wie immer, lässt er kaum etwas aus. Den Mythos der Anamnese, der beiden geteilten Seelenhälften, die zueinander streben, gebraucht er ebenso wie das Motiv des verwunschenen Hauses oder die aktuelle Umweltideologie. Sein pantheistisch anmutendes „Save the whales“ ist Barkers Version einer von Gott beseelten Natur – Mann, ist das trivial. Oder auch nicht, wie man’s nimmt. Denn ohne eine gewisse Ironie schreibt Barker nicht, und daß es sich um spannenden Lesestoff handelt, steht außer Frage. Ein Roman, den man lesen sollte, wenn man Spannung sucht. (Alexander Amberg)
Titel: Das Sakrament
Autor: Clive Barker
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 606
ISBN: 3453136985
Schattenkuss
Erstellt am: März 10th, 2008Merry Gentry, alias Meredith NicEssus, eine Feenprinzessin, geht in Los Angeles einem “fast” ganz normalen Job nach. Sie arbeitet für eine Detektivagentur. Vor drei Jahren ist sie aus dem Königreich ihrer Tante Andais, der Gebieterin über Luft und Dunkelheit, entflohen, da ihr Cousin Cel, der Thornerbe, ihr nach dem Leben getrachtet hat. Und Meredith hat nicht vor, an den königlichen Hof zurückzukehren. Lieber versteckt sie sich unter den Sterblichen. Sie selbst ist eine Mischung aus Mensch, weshalb sie auch gegenüber allen anderen Feenwesen sterblich ist, Brownie und Sidhe (Elfe).
Ein neuer Job den Meredith annimmt ist jedoch so gefährlich, dass ihre Deckung auffliegt. Und Andais schickt ihre Wächter aus, Meredith zurückzuholen. Während Meredith noch glaubt auch ihre Tante ist nur auf ihren Tod aus, muss sie feststellen, dass sich das Leben am königlichen Hof in den letzten Jahren sehr gewandelt hat. Königin Andais unterbreitet ihr einen ungewöhnlichen Vorschlag.
Wow das war ein fantastisches Buch!!! Auch wenn sich die Beschreibung eher harmlos anhört muss ich doch darauf hinweisen, dass die Selkies, Brownies, Goblins und Ogres in diesem Roman keinesfalls harmlos sind. Laurell K. Hamilton schafft es dieses wilde Gemisch an außergewöhnlichen Wesen, erstaunlichen Sexszenen und einer atemberaubenden Story wunderbar unter einen Hut zu bringen. Wer paranormale Geschichten mit einem düsteren Hauch mag, der wird “Schattenkuss” genauso lieben wie ich!
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments
Titel: Schattenkuss
Autor: Laurell K. Hamilton
Verlag: Blanvalet
Seiten: 500
ISBN: 3442356911
Jenseits des Bösen
Erstellt am: März 10th, 2008“Memory, prophecy and fantasy – the past, the future and the dreaming moment inbetween – are all one country, living one immortal day. To know that is Wisdom. To use it is the Art.”
Nachdem mir “Galileo” so super gut gefallen hatte, wollte ich natürlich sofort weitere Clive Barker Bücher lesen. “The Great and Secret Show” schien mir genau das Richtige zu sein.
Es gibt wohl einen Grund, warum auf dem Buchrücken keine Inhaltsangabe abgedruckt wurde. Es ist so ziemlich unmöglich, in wenigen Sätzen die komplexe Geschichte dieses 688-Seiten-Wälzers zusammenzufassen. Clive Barker erschafft eine neue Welt, die neben der uns bekannten Realität existiert. Nur wenige Menschen erkennen, dass es diese Welt gibt. Und nur einer (Randolph Jaffe) kommt darauf, wie er sie für sich nutzen kann. Aus dem einen Menschen, der Randolph dabei hilft, wird sein erbittertster Feind und im Laufe dieser Feindschaft bleibt es nicht aus, das die bekannt und unbekannte Realität aufeinanderprallen, was natürlich katastrophale Folgen hat.
Die Geschichte ist höllisch komplex und faszinierend. Es bleibt einem nur Bewunderung für so viel Phantasie übrig. Interessante Charaktere und spannende Handlungsstränge sind auch dabei, sodass dieser Roman eigentlich ein rundrum gelungenes Leseerlebnis sein sollte. Aber es ist zu langatmig. An einigen Stellen könnte man gut und gerne 20-30 Seiten überspringen, ohne dass man was verpasst. Aber das weiss man ja leider vorher nicht. Den zweiten Teil dieses Buches werde ich auf jeden Fall so bald nicht lesen. Da warte ich lieber auf den zweiten Teil von “Galileo”. (Dorothee Büttgen)
Titel: Jenseits des Bösen
Autor: Clive Barker
Verlag: Harper Paperbacks
Seiten: 688
ISBN: 0061099015
Blutlust – Necroscope 7
Erstellt am: März 10th, 2008Mit „Blutlust“ geht die Necroscope-Serie von Brian Lumley mittlerweile in die siebte Runde und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht, sehr zur Freude der immer größer werdenden Fan-Schar. Die bizarren Abenteuer um Harry Keogh, den Totenhorcher, der sich in der fremden Welt der Vampire beweisen muss, während diese versuchen, erneut auf der Erde Fuß zu fassen, strahlen seit Jahren eine ungebrochene Faszination aus. Dabei liegt es wohl weniger an Lumleys Schreibstil, der lediglich solides Handwerk ist, sondern vielmehr an seiner überbordenden Fantasie, die eine absurde Welt konstruiert hat inklusive dazu passender Stories. Diesmal werden die Protagonisten unter anderem mit den Travellern konfrontiert, die manches Geheimnis bereithalten, bevor sie auf den Herrn des westlichen Gartens treffen. Wie immer ist auch „Blutlust“ von einer überzeugenden Atmosphäre geprägt, wenn auch diesmal wenig Überraschungen geboten werden, sondern lediglich vorbereitet werden, um voraussichtlich im achten Band zu zünden. Deshalb bietet der vorliegende siebte Teil nur solide Unterhaltung auf dem gewohnten Niveau und es ist abzuwarten, ob der achte Teil die Serie wieder von der Sternenseite auf die Sonnenseite katapultiert…
Fazit: „Blutlust“ ist der siebte Teil von Brian Lumleys Necroscope-Serie, die im Festa-Verlag in deutscher Erstveröffentlichung erscheint. Der siebte Teil bietet solide Unterhaltung und dient wohl eher zur Vorbereitung von einigen Überraschungen, die im folgenden achten Band hoffentlich gelüftet werden.
Titel: Blutlust – Necroscope 7
Autor: Brian Lumley
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 191
ISBN: 3935822375
Bilder um 11
Erstellt am: März 6th, 2008Eine Gruppe Ökoterroristen besetzen gewaltsam einen kleinen TV-Sender um eine Abstimmung über ein Umweltthema in ihrem Sinn zu beeinflussen. Sie lassen alle dort anwesenden Personen bis auf den Nachrichtensprecher Toby Inman, den Sportansager Carl Mendozza, die Wetterfee Heather Blake und den Leiter des Senders, Eddie Franker, frei. Als sie einige Male auf Sendzung gehen, werden zwar die sie belagernden Ordnungshüter immer erregter, aber manche der Geißeln findet zum Teil Gefallen an der öffentlichen Aufmerksamkeit und den emporschnellenden Zuschauerquoten.
Als die Abstimmung in ihrem Sinne gelaufen ist und sie bis dahin eine Erstürmung des Senders mit allen möglichen Tricks verhindern konnten, sieht alles nach einem glücklichen Ausgang aus. Doch der Chef der Terroristen überrascht alle mit zusätzlichen, weitergehenden Forderungen und die Besetzung wird weitergeführt.
Damit rufen die Terroristen aber mächtigere und gewitztere Kontrahenten auf den Plan als die örtlichen Polizeibehörden es waren. Und langsam beginnen sich auch unter den Terroristen verschiedene Fraktionen zu bilden.
Obwohl das Buch bei Heyne als Science Fiction geführt wird, ist es eindeutig ein Medienthriller mit weniger Unwahrscheinlichkeiten als viele andere Romane aus diesem Genre.
Wie in einem Kammerspiel spielt sich die immer wieder überraschende Wendungen nehmende Handlung fast ausschließlich als sich oft wechselnde Konflikte zwischen den Protagonisten ab. Und deren Persönlichkeiten sind sehr überzeugend beschrieben.
Der enge Handlungsraum und die ziemlich große Seitenzahl führt aber in diesem Fall nicht zu der geringsten Langatmigkeit. Ohne großartige Verschwörungstheorien herhalten müssen, liefert das Buch gleichzeitig einen kritischen Standpunkt und einen spannungsreichen Lesestoff.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Bilder um 11
Autor: Norman Spinrad
Verlag: Heyne
Seiten: 669
ISBN: 3453126408
Dunkle Engel
Erstellt am: März 6th, 2008Im New York des Jahres 1865 ist Paula Grainger der Inbegriff der viktorianischen Frau. Nach dem Tod ihres Mannes, der es als Geistlicher zu hohem Ansehen in der Gemeinde gebracht hatte, ist sie jetzt mühsam wieder auf sich selbst angewiesen. Obwohl sie erst Mitte 30 ist, hält sie sich bereits für eine alternde Witwe. Zusammen mit ihrem schwarzen Dienstmädchen Phoebe lebt sie einsam und zurückgezogen in ihrem Haus, während rings um sie herum der Bürgerkrieg tobt. Ihr Mann hatte Zeit seines Lebens für die Freiheit der Sklaven gekämpft, und als sie eines Morgens den aufgebahrten Sarg des gerade ermordeten Präsidenten Abraham Lincoln besucht, spricht aus dem Dunkel eine Stimme zu ihr. Einige Momente lang glaubt sie an eine Begegnung mit Gott, doch der Besitzer der Stimme erweist sich als menschlich. Es ist niemand geringeres als der berühmte Dichter Walt Whitman, der zu ihr gesprochen hat. In wenigen Sätzen erklärt er, dass er Paulas Ehemann gekannt habe und so manche Details aus seinem Leben kenne, die seiner Frau bis dato unbekannt gewesen sein dürften. Und mit diesen Worten nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die sich immer weiter in die Vergangenheit zurückschraubt und mehrere Kontinente überspannt und in der noch mehr berühmte Persönlichkeiten auftauchen…
S.P. Mostow hat mit „Dunkle Engel“ ein kleines Meisterwerk der unheimlichen Literatur abgeliefert und wir haben es nur dem beinahe schon fanatischen Verleger Frank Festa zu verdanken, dass wir dieses Kleinod in unseren Händen halten dürfen. Mostows Geschichte, in der Horror und Historie auf geniale Art vermischt werden, bis sie untrennbar vereint scheinen, zieht sofort in ihren Bann. Schon nach wenigen Seiten merkt man, dass dieser in der Edition Metzengerstein erschienene Band der bisher anspruchsvollste ist.
Fazit: „Dunkle Engel“ verwebt Horror und Geschichte zu einer faszinierenden Zombie-Geschichte, die niemals in ausgetretenen Pfaden wandelt, sondern erfrischend innovativ ist und die viele Leser gierig verschlingen sollten! (Tino Hahn)
Titel: Dunkle Engel
Autor: S.P. Somtow
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 320
ISBN: 393582209X
Der Schacht
Erstellt am: März 3rd, 2008Chicago ist die Hölle und da treffen sich Jonathan, Cruz und Jamaika. Aus unterschiedlichen Gründen auf der Flucht, durchleben die drei einen Alptraum in einem heruntergekommenen, unheimlichen Hotel. Das Kenilworth Arms.
Noch ahnen sie nicht welchen Trip dieses Gebäude durchlebt. Das Kenilworth Arms altert und erhält sich selbst. Seine Bewohner haben keine Ahnung, dass ihre eigene Verzweiflung ein Protein ist, das das Gebäude braucht um sich zu erhalten. Es nimmt die menschlichen Dramen nicht war, die sich innerhalb seines alternden Körpers abspielen. In den Räumen, Zimmern und Fluren ist schon immer Blut vergossen worden. Es ist in die Wände und die Teppichläufer geflossen.
Für die richtige Dosis sorgt ein Bandwurm, er hat das Haus in den Opiumrausch des Blutes eingeführt. So wie jemand mit Alzheimer eine klare Phase haben kann und sich mit Drogen zuschüttet, um der kommenden Agonie des Vergessens zu entgehen, so will auch das Kenilwoth Arms jetzt mehr von diesem Stoff, der es so wunderbar sorglos sein lässt.
Das Haus versucht, durch Drogen betäubt, das zu verwenden was es weiß oder sich noch vorstellen kann. Tief im Drogenrausch versunken hat es etwas, was man als einen Traum bezeichnen kann aus dem wohl keiner der Bewohner entkommen kann.
Dieser Roman über die Drogenszene, die in den Kellern von Chicagos Mietshäusern wuchert betäubt von der ersten bis zur letzten Seite. David J Schow prägte den Begriff “Splatterpunk”. Gemeint sind jene Geschichten von Autoren, denen es weniger auf die literarische Qualität ankommt, sondern mehr auf rohe Gewaltdarstellung. Splatterpunk ist ein Name für einen Trend, ein Begriff für Horror extrem, für das Grauen an sich, für die Abgründe der menschlichen Psyche und nicht zuletzt so sarkastisch, das es schon wieder zum lachen ist. Schow gehört wohl zweifelsohne zur ersten Garde zeitgenössischer Horrorautoren.
In Zeiten, in denen Große Verlage davor scheuen das Wörtchen “Horror” auch nur ansatzweise in den Mund zunehmen, bietet der Blitz-Verlag diesen Roman für angemessene DM 29.80 an. (Silvia Dunker)
Titel: Der Schacht
Autor: David J. Schow
Verlag: Blitz Verlag
Seiten: 352
ISBN: 3898400425
Das Bild – Rose Madder
Erstellt am: März 3rd, 2008Rose Daniels ist mit einem Polizisten verheiratet und ihre Ehe ist die Hölle. Die schweren Misshandlungen gehen so weit, dass sie eines Tages sogar ihr ungeborenes Kind verliert. Schließlich flieht sie von ihrem Mann, setzt sich in einen Überlandbus und fährt in eine weit entfernte Stadt. Dort findet sie Aufnahme in einem Frauenhaus und langsam in ein normales Leben zurück. Als sie bei einem Pfandleiher den Wert ihres Eherings herausfinden will, entdeckt sie dort ein Bild, das sie seltsam anzieht. Sie bekommt es im Tausch gegen ihren Ring und hängt es in ihrer neuen kleinen Wohnung auf.
Doch Norman, ihr Mann hat sie nicht vergessen und verfolgt mühsam aber immer erfolgreicher ihre Spur. Rose bekommt einen gut bezahlten Job angeboten und lernt einen sympathischen jungen Mann kennen, aber das Bild in ihrer Wohnung entwickelt seltsame Phänomene.
Schließlich taucht Norman in der Stadt auf und verliert bei der Suche nach ihr jede Zurückhaltung und zunehmen seinen Verstand. Die Situation eskaliert zunehmend und treibt auf ein aberwitziges Finale zu.
In der ersten Hälfte des Romans passiert ziemlich wenig und selbst der brillante Geschichtenerzähler King schaffte es hier nicht immer, Längen zu vermeiden. Erst ungefähr ab der Mitte kommt die Geschichte durch das verstärkte Auftauchen übersinnlicher Aspekte in Schwung um gegen das Ende immer mehr an Spannung und Tempo zu gewinnen. Nur im letzten Kapitel geht es wieder ruhiger zu.
Es ist wohl kaum das beste Buch von King aber trotzdem durchaus lesenswert. Wer nur seine Horrorromane kennt, wird aber möglicherweise enttäuscht sein. Obwohl auch in “Das Bild” übersinnliches eine Rolle spielt, spielt sich der Großteil der Handlung in einem mehr oder weniger normalen Umfeld ab und auch der “Horror” entstammt einem zwar nicht ganz normalen, aber durchaus realistischen Menschen.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Das Bild – Rose Madder
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 588
ISBN: 3453116143
Todestag
Erstellt am: Januar 23rd, 2008Am 25. Oktober ist die Stunde von Kain Zwaifel – so sein “Kriegername” – gekommen: Während einer Wahlkundgebung auf dem Berliner Gendarmenmarkt erschießt er den Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Widerstandslos lässt sich der bis dato Unbescholtene festnehmen und gesteht freimütig die Tat.
An Händen und Füßen gefesselt wird er in den Verhörraum geführt und auf dem einzigen fest mit dem Boden verankerten Stuhl platziert. Bei der anschließenden dramatischen Vernehmung durch einen kurz vor der Pensionierung stehenden Ermittler und einen Psychologen dreht sich alles um die Weltanschauung des Kanzler-Mörders, seine Prophezeiungen, Thesen und seine Liebe zu einem Mädchen, das in einer anderen Stadt lebt.
Ja, er wolle, dass der 25. Oktober als Todestag der deutschen Pseudodemokratie in die Geschichtsbücher einginge und seine Tat als verantwortliches Handeln verstanden würde. Nein, ein Verrückter sei er ebenso wenig wie ein Anarchist, sondern ein Demokrat, der gegen die Trägheit der Masse kämpfe und gerne ohne Unrechtsbewusstsein auf die Welt gekommen wäre. Ja, er sei davon überzeugt, dass ein Bürgerkrieg bevorstehe und eine Fußball-Weltmeisterschaft ein Akt weltumspannender Basisdemokratie ist.
“Todestag” von Tobias O. Meißner ist wahrlich kein Politthriller über einen fiktiven Angriff auf den Bundeskanzler, sondern vielmehr das aufrüttelnde Protokoll eines Verhörs und eine unerbittliche Untersuchung des öffentlich-staatlichen Hier und Jetzt. Der spannende Verhörroman belässt dabei den Leser nicht nur in der Rolle des Lesers, sondern rückt ihn unweigerlich auch in die des Richters.
Der 34-jährige Tobias O. Meißner schloss sein Studium der Kommunikations-Wissenschaften mit M.A. ab. Er wohnt seit seinem zweiten Lebensjahr in Berlin, davon seit nunmehr 12 Jahren im Norden des Bezirks Neukölln. Seit 1997 pendelt er beruflich quasi zwischen zwei Welten – ist jeweils für ein halbes Jahr als Fabrikarbeiter tätig und widmet sich in den restlichen sechs Monaten der Schriftstellerei. Sein erster Roman “Starfish Rules” erschien 1997, sein neuestes Werk trägt den Titel “Neverwake” und ist ebenfalls bei Eichborn.Berlin erschienen. (Ensa Maurer)
Titel: Todestag
Autor: Tobias O. Meißner
Verlag: Eichborn Verlag
Seiten: 152
ISBN: 3821806893
Die zweite Haut
Erstellt am: Januar 23rd, 2008Martin Stillwater ist erfolgreicher Krimi-Autor, glücklich verheiratet und hat zwei Töchter. Eines Abends ist er für sieben Minuten während er auf ein Diktierband spricht komplett weggetreten und kann sich danach nicht an diese kurze Zeit erinnern. Auf dem Band hört er, dass er ununterbrochen “Ich muss, ich muss …” gesagt hat.
In Kansas City ist zur gleichen Zeit ein ungewöhnlicher Killer dabei einen Auftrag zu erfüllen. Er hat keinen Namen, keine Erinnerungen und kein Gewissen. Doch ganz unerwartet fühlt er sich plötzlich von einem bestimmten Ort fast magisch angezogen und er macht sich, seine Spuren möglichst gründlich verwischend und immer wieder “Ich muss, ich muss …” vor sich hin murmelnd, auf die Reise. Denn er ist auf der Suche nach seinem verloren geglaubten Leben, und meint es sei das Leben und die Familie von Martin Stillwater.
Seine geheimnisvollen Auftraggeber entdecken bald, dass etwas schief gelaufen ist und heften sich an seine Fersen.
Der Killer findet das Haus Martins, dringt dort ein und es kommt zur ersten Konfrontation zwischen den Beiden. Martin übersteht sie knapp und flieht mit seiner Familie, den unbeirrbaren, unheimlichen und übermenschlichen Killer auf den Fersen, nachdem er bei der Polizei keine ausreichende Hilfe bekommt.
Der Roman ist ein typischer Koontz. Eine Durchschnittsfamilie wird in die Machenschaften einer übermächtigen und geheimen Organisation hineingezogen und muss flüchten. Wie immer lässt sich Koontz lang und breit über den Untergang der Gesellschaft durch die schier allgegenwärtige Kriminalität, die geringen Strafen und die korrupten Politiker aus. Nur der sonst in seinen Romanen allgegenwärtige Hund fehlt in “Die zweite Haut”.
Aber sonst ist es ein durchaus gelungenes Stück spannungsgeladener Unterhaltung mit den gewohnt hervorragenden Beschreibung der Persönlichkeiten, vor allem von originellen Bösewichten. Vor allem die den Großteil des Buches einnehmende Verfolgung der Familie durch den irrwitzigen Killer hält den Leser ziemlich in Atem.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Die zweite Haut
Autor: Dean Koontz
Verlag: Heyne
Seiten: 447
ISBN: 3453092007
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