Die Stahlhöhlen

Erstellt am: Januar 23rd, 2008

Zuletzt ist “Die Stahlhöhlen” auf deutsch zusammen mit “Die nackte Sonne” unter dem Titel “Die Stahlhöhlen” (ISBN: 3-453-12767-6) erschienen.

Auf der Erde leben die Menschen in riesigen, überdachten Städten. Nur die Spacers, menschliche Bewohner anderer Planeten, die sich schon seit langer Zeit von der Erde losgesagt haben, leben nach ihren eigenen Regeln in einer eigenen Ansiedlung. Als dort ein Mord passiert, werden die Terraner nervös, weil sie eine Intervention der militärisch weit überlegenen Spacer fürchten. Auf der Erde kommt es wegen Robotern immer wieder zu Unruhen, weil hier die Abneigung gegen sie als Arbeitsplatzkonkurrenten und auch sonst sehr stark ist. Die Spacer leben mit ihren Robotern friedlich und problemlos zusammen.

Der Polizeibeamte Ljie Baley soll den Mord in der Stadt der Spacer aufklären. Dazu bekommt er den sehr menschlich aussehenden Spacer-Roboter Daneel Olivaw zugeteilt, um auch im Bereich der irdischen Menschen ungehindert ermitteln zu können. Nach einigen Irrwegen, stoßen die Beiden auf eine der besonders roboterfeindlichen Traditionistenorganisationen als mögliche Hintermänner für den Mord. Aber bald stoßen sie auch auf Widerstand und Versuche, sie zu behindern.

Ein Science Fiction Krimi, der durchaus mit vielen traditionellen Krimis mithalten kann. Wie bei Asimov üblich, gibt es komplexe und interessante Protagonisten und eine ansprechende Handlung.

Besonders der frühe Asimov erweist sich als Optimist bezüglich der Anwendung von Technik durch die Menschen. Seine Robotergesetze werden sich wohl kaum in jeder zukünftigen KI finden, so es welche geben sollte, weil diese sicher zuerst für militärische Mittel hergestellt werden würden. Auch sind in einigen seiner früheren Werke einige, aus heutiger Sicht ziemlich danebenliegende Zukunftsvisionen, aber das ist bei Büchern aus den 50er Jahren wohl unvermeidlich.

“Die Stahlhöhlen” ist in jedem Fall ein Klassiker seines Genres und ein lesenswerter Roman auf jeden Fall.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Stahlhöhlen
Autor: Isaac Asimov
Verlag: Heyne
ISBN: 3453127676

Regulator

Erstellt am: Januar 23rd, 2008

An einem schönen Sommertag in der Poplar Street im idyllischen Wentworth in Ohio taucht plötzlich ein etwas futuristisch aussehender Lieferwagen auf und seine Insassen erschießen scheinbar grundlos einen Zeitungsjungen und einen Hund. Bald nachdem die Bewohner und zufällig dort anwesende Personen sich etwas von dem ersten Schock erholt haben und vergeblich Hilfe mit dem plötzlich nicht mehr funktionierenden Telefon holen wollen, taucht der gleiche Wagen mit einigen ähnlich aussehenden Autos auf und es werden erneut Menschen erschossen. Nur die auch in der Poplar Street wohnende Audrey und ihr autistischer Neffe Seth erscheinen bei dem ausbrechenden Chaos nicht im Freien. In Nevada in der Nähe des Städtchens Desperation betreibt die Firma Deep Earth in der “China-Grube” genannten, oberirdischen Kupferabbaustätte und hat bei einer Sprengung den legendären Stollen “Rattelesnake Nummer eins” freigelegt. Seth ist mit seiner Familie auf einer Straße in der Nähe unterwegs und wird plötzlich von etwas unwiderstehlich in diesem alten Stollen angezogen. Er kann die Familie zu einem Besuch bei der Mine überreden und gelangt in einem unbeobachteten Augenblick für kurze Zeit in den alten Stollen. Bald darauf wird seine ganze Familie getötet und er kommt zu seiner Tante Audrey nach Ohio. Doch Seth hat “Tak”, ein uraltes und böses Wesen in sich und das Leben Audreys und ihres Mannes beginnt sich bald zu ändern.

Stephen King hat mit den Romanen “Desperation” und “Regulator” zwei Bücher aus dem selben Grundstoff geschrieben. Für “Regulator” hat er für diesen Zweck sein altes Pseudonym “Richard Bachman” noch einmal benutzt. Beide Romane sind in etwa dem gleichen Stil geschrieben und haben eine eher actionlastige Handlung. Sie sind aber verschieden genug, dass es nicht im Geringsten stört, wenn man vorher das jeweils Andere gelesen hat. Wem Kings typische Horrorromane wie “Es” oder “Tommynockers” gefallen haben, wird auch in “Desperation” und “Regulator” bestens bedient.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von www.buchkritik.at

Titel: Regulator
Autor: Richard Bachman
Verlag: Heyne
Seiten: 441
ISBN: 3453129601

Larry Brent: Im Kabinett des Grauens

Erstellt am: Januar 22nd, 2008

Eine Garantie für Hochspannung und Klasse sind die Romane von Jürgen Grasmück, alias Dan Shocker. Dan Shocker gilt als Meister der phantastischen Literatur. Sein Romanheld Larry Brent erfreut sich noch immer großer Beliebtheit. Außergewöhnliche Vorfälle auf der ganzen Welt füllen die X-Akten der PSA. PSA steht für „Psychoanalytische Spezialabteilung“, deren bester Kämpfer ist Larry Brent, auch bekannt unter X-RAY-3.

Die Grusel-Serie Dan Shockers wurde zum 30jährigem Jubiläum neu aufgearbeitet. Doch den Neuauflagen fehlt es kein bisschen an Horror und Spannung zu den Romanen aus dem Jahre 1968. „Im Kabinett des Grauens“ lautet der Titel des ersten Bandes um Larry Brent, Iwan Kunaritschew und der PSA. Die unerschrockenen Kämpfer werden überall dort eingesetzt, wo die herkömmlichen Mittel der Polizei versagen. So auch im ersten Band der erfolgsversprechenden Remakes.

Frankreich: in der Gegend von Maurs sprechen die Menschen von Vampiren. Alles Unsinn, so der Hauptkommissar. Doch eines Tages findet man eine Leiche. Eine Leiche mit Bisswunden am Hals. Auch andere Bewohner des Ortes klagen. Sie sind erschöpft, müde, ausgelaugt. Die Vorfälle können durch die örtliche Polizei nicht mehr kontrolliert werden. Ein Geheimagent, kein anderer als Henry Parker (X-RAY-18) der PSA übernimmt den Fall.

Schon auf den ersten Seiten beginnt Spannung pur. Der Leser ist gefesselt von der faszinierenden Schreibweise und detaillierten Darstellung des Autors. Verschiedene andere Grusel- und Horror-Serien können es nicht mit Larry Brent aufnehmen. Shocker stellt die Situationen und Geschehnisse äußerst Detailgetreu dar. Sein Schreibstil ist fesselnd und zwingt zum Weiterlesen.

„Im Kabinett des Grauens“ kommt für Fans mit einem extra Bonus daher. Die nummerierte Sammlerausgabe ist mit einem Autogrammeindruck von Dan Shocker versehen.

Titel: Larry Brent: Im Kabinett des Grauens
Autor: Dan Shocker
Verlag: Blitz Verlag
Seiten: 352
ISBN: 3932171802

Die Richter

Erstellt am: Januar 22nd, 2008

Ein düster-dramatisches Geschehen eröffnet sich dem Leser bei der Lektüre dieses Romans von Elie Wiesel.
Auf einem Flug von New York nach Tel Aviv muß der Pilot während heftiger wetterbedingter Turbulenzen in Connecticut zwischenlanden. Da an einen Weiterflug nicht zu denken ist, werden die Reisenden zu verschiedenen privaten Unterkünften gebracht. Fünf von den Passagieren, vier Männer und eine Frau, geraten in ein Privatquartier zu einem Gastgeber, der entweder verrückt, sadistisch oder beides zugleich zu sein scheint. Er gibt sich sehr bald als “Richter” aus, der mit ihnen ein “Spiel” spielen wolle. Am nächsten Morgen würde einer von ihnen zum Tode verurteilt werden. Die Reisenden sollten mit der Darstellung ihrer Lebengeschichte begründen,warum gerade sie dieses Urteil aufgrund der eigenen Lebensgeschichte nicht treffen dürfe, weil sie noch Wichtiges in ihrem eigenen Leben zu beenden oder zu erledigen hätten.

Nach einigem Hin und Her, bei der die Passagiere Auswege überlegen, machen sie schlußendlich mit bei diesem makaberen Spiel.
Wie durch ein Brennglas hindurch erfährt der Leser nun Einzelheiten aus dem Leben der einzelnen Protagonisten. Aus der Situation ist es verständlich, daß nur die dringensten und bedrängensten Erfahrungen erinnert werden. Die Unterschiedlichkeit der Lebensbechreibungen macht die Vielfalt des Lebens erfahrbar.
Beklemmend bleibt, daß die erinnerten Lebensgeschichten , außer dem seltenen Glück , viel Unglück, Lug und Trug beinhalten. Daß niemand ohne das Eingeständnis auch vieler unguter Seiten bei sich selber auskommt, was den Leser animiert, auch der eigenen Lebenserinnerung nachzugehen.
Ein wenig erinnert das ganze Spiel an Sartre und seine Stücke, in denen das menschliche Unvermögen ebenfalls seinen Ausdruck findet.

Ich vermute , daß Elie Wiesel seine Erfahrungen mit dem Holocaust in seinen Schriften bearbeitet hat. Sein Leben war so entscheidend von diesen Erlebnissen geprägt, daß es für ihn sicher kein Schreiben ohne die Erinnerungen und Plagen an eine grausame Zeit mit grausamen Menschen gibt.

Das Buch ist gut geschrieben, auch spannend, aber zugleich so beklemmend, daß ich mit dem Weiterlesen gelegentlich gezögert habe. (Claudine Borries)

Titel: Die Richter
Autor: Elie Wiesel
Verlag: Lübbe
Seiten: 251
ISBN: 3785715242

Spiel des Verderbens

Erstellt am: Januar 21st, 2008

Clive Barker verfügt über die einzigartige Gabe Menschen zu fesseln. Er fesselt nicht nur Menschen in seinen Romanen, sondern auch die Leser mit seinen Romanen. Ein typisches Beispiel dafür ist das Buch „Spiel des Verderbens“. Der Roman ist im BLITZ Verlag, Edition Metzengerstein erschienen. Das Label ist bekannt für fantastische Romane, die bis in das Genre Horror reichen.

Von Horror ist in Barkers Roman nicht viel zu spüren, zumindest nicht zu Beginn. Die Geschichte spielt in Russland, während des Krieges. Im Vordergrund steht ein Dieb und ein Kartenspieler. Bei haben eins gemeinsam. Sie spielen um ihr Leben gern. Genau aus diesem Grund spürt der Kartenspieler Mamoulian, er selbst bezeichnet sich später im Roman als der Letzte Europäer, den Dieb auf. Die Wetteinsätze sind hoch, oft wird um das eigene Leben gespielt.

Szenenwechsel. Der Leser befindet sich in einem Gefängnis wieder. Auch hier wird man mit einem Dieb konfrontiert: Marty Strauss. Der Gedanke an seine lebenslange Haft wird in kürzester Zeit weggeblasen, denn Joe Whitehead, ein sehr reicher Mann, sucht einen Leibwächter. Einen Leibwächter fürs Leben, ein Leben eingezäunt auf einem prächtigen Grundstück. Strauss sagt zu. Schon bald merkt er, was auf dem Anwesen Whiteheads vorgeht. Blut, Gewalt und Liebe begegnen ihm. Doch Whitehead steht dem Tod nahe. Wird Marty die Freiheit geschenkt?

Spannung erwartet den Leser bereits bei den ersten Zeilen. Verärgerung kommt bezüglich der Szenenwechsel gerade zu Beginn des Romans auf, doch für Aufklärung ist gesorgt. Obwohl man den eigentlichen Teil auf dem Anwesen Joe Whiteheads vermutet, ist das große Finale weitaus verblüffender.

Den Leser erwartet ein Roman im Stile Barkers. Doch aufgepasst, denn Barkers Fantasie kennt keine Grenzen. Der Leser erlebt erotische Liebesszenen, Perversion bis hin zu gewalttätigen Blutbaden und brutalen Übergriffen. Dieser Satz soll nicht als Abschreckung dienen, sondern die perfekte Kombination Barkers ausdrücken.

Fazit:
Wer Clive Barker kennt, erhält einen weiteren tollen Roman, der den Erfindungsreichtum dieses Autors eindruckvoll beschreibt. Als Neuling dieses Genres ist das Buch ebenso empfehlenswert.

Titel: Spiel des Verderbens
Autor: Clive Barker
Verlag: BLITZ Verlag
Seiten: 432
ISBN: 3898400433

Blutzoll

Erstellt am: Januar 21st, 2008

Vicki Nelson war mit Leib und Seele Polizistin, aber sie musste ihre Job aufgeben, nachdem man bei ihr eine Krankheit feststellte, die nicht heilbar ist und die dazu führt, das man erblindet. Also hat sie sich als Privatdetektivin selbstständig gemacht. Und ausgerechnet sie muss den ersten Toten in dieser grauenvollen Mordserie finden, die Toronto in Atem halten wird. Einem jungen Mann wurde die Kehle rausgerissen und die Polizisten die zum Tatort kommen, sind ausgerechnet ihre alten Kollegen von der Mordkommision, allen voran Mike Celluci, mit dem sie mehr als nur eine berufliche Beziehung verband. Vickis Neugier ist geweckt, aber Mike warnt sie ausdrücklich davor sich einzumischen, und immerhin arbeitet sie nicht mehr bei der Polizei.

Als jedoch die Freundin des Toten zu ihr kommt und ihr Geld dafür bietet, damit sie aufklärt, wer oder was für den Tod des jungen Mannes verantwortlich ist, hat Vicki sehr wohl einen Grund, sich von nun an in die Morduntersuchung einzumischen. Und bald stellt sich heraus, das nur ein übernatürliches Wesen für diese grauenvollen Taten verantwortlich sein muss, die Zeitungen sprechen nach weiteren Morden von einem Vampir, denn alle aufgefundenen Leichen waren blutleer. Aber gibt es Vampire wirklich?

Während Vicki noch nach rationalen Erklärungen sucht macht ein gewisser Henry Fitzroy sich auf die Suche nach dem Wesen. Für ihn ist klar, es kann sich nur im einen Vampir in der Phase seiner Umwandlung handeln kann der keine Führung durch einen erfahrenen Vampir genießt, dann ist man nur von seinem Blutdurst getrieben und denkt nicht an die Risiken die für einen Vampir mit der Nahrungsaufnahme verbunden sind. Henry ist seit 450 Jahren ein Untoter, der ein friedliches Dasein in Toronto führt, welches er jetzt jedoch gefährdet sieht.

Eine nachtblinde Heldin, ein Liebesromane schreibender Vampir und ein jähzorniger Polizist, hier hat Tanya Huff ein wirklich ungewöhnliches Trio geschaffen, was dem Leser geradezu an das Buch fesselt. “Blutzoll” ist der erste Teil einer Serie um die Privatdetektivin Vicki Nelson. Hoffen wir das die anderen Romane auch übersetzt werden.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Blutzoll
Autor: Tanya Huff
Verlag: Feder und Schwert
Seiten: 296
ISBN: 3931612716

Die Mayfair-Hexen

Erstellt am: Januar 21st, 2008

Ash ist reich und mächtig. Doch er ist auch der letzte Taltos, einer uralten, von den Menschen vernichteten Art. Als er eine Nachricht aus England bekommt, dass es dort einen weiblichen Taltos geben soll, macht er sich sofort auf den Weg.

Unterdessen erholen sich die Mayfairs gerade vom Chaos, das der von Rowan geborene Taltos Lasher bei ihnen angerichtet hat, bevor er von Michael, dem Ehemann Rowans getötet worden ist. Doch als sich herausstellt, dass die erst 13jährige Mona schwanger ist und dann auch noch ihr Freund Aaron ermordet. Aaron war ein Mitglied der alten geheimnisvollen Gesellschaft Talamasca, die sich mit übersinnlichen Phänomenen beschäftigt. Alles deutet auf eine Verschwörung innerhalb der Talamasca hin und Rowan und Michael reisen nach England um diesen Vermutungen auf den Grund zu gehen. Dort treffen sie auf Yuri, dem Freund Aarons, der nur knapp einem Anschlag auf sein Leben entgangen ist und auf Ash mit seinem dem sagenhaften kleinem Volk zugehörigen Freund Samuel.

“Die Mayfair-Hexen” ist nach “Hexenstunde” und “Tanz der Hexen” der dritte Teil dieser Reihe. Und nach dem Ende dieses Romans zu schließen, werden noch weitere folgen.

Nach den berühmten Vampir-Romanen hat Anne Rice bei dieser Reihe in ähnlich gekonnter Form eine Geschichte rund um eine Hexenfamilie und die wundersamen “Taltos” geschaffen. Nur die “Talamasca” gibt es in beiden Geschichtszyklen.

Rice schreibt in einem Stil, der irgendwie an klassische Gruselgeschichten erinnert und gleichzeitig in einem modernen Tempo. Damit schafft sie eine typische Atmosphäre ohne die oft vorhandene Langatmigkeit mancher dieser Klassiker. Dabei baut sie den Hintergrund ihrer mystischen Wesen von Buch zu Buch immer weiter aus.

“Die Mayfair-Hexen” führen die Handlung vom Ende Lashers zu dem völlig andersartigen Ash weiter. Ohne die vorhergehenden Bücher dieser Reihe hängt man darum manchmal etwas in der Luft und das Ende ist eigentlich mehr ein Anfang. Wer die vorhergehenden Bücher der Reihe nicht gelesen hat und nicht vorhat die Folgebände ebenfalls zu lesen, kann sich diesen Roman eher sparen.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Mayfair-Hexen
Autor: Anne Rice
Verlag: Goldmann
Seiten: 574
ISBN: 344244103X

Enigma

Erstellt am: Januar 18th, 2008

Die Enigma-Maschine sorgte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges dafür, dass die Alliierten im Dunkeln tappten, was die Pläne der Deutschen betraf, denn die Maschine wurde dazu eingesetzt, den Funkverkehr der deutschen U-Boote zu verschlüsseln und galt als unknackbar. Als die Nazis dann auch noch die für England lebensnotwendigen Konvois im Atlantik abfingen, wurde die Beschaffung der Enigma-Maschine immer mehr zur höchsten Priorität. Darüber, wie die Enigma-Maschine schließlich in die Hände der Alliierten fiel, wurde bereits ein eigener Film namens „U-571“ gedreht, der allerdings wesentliche historische Tatsachen falsch darstellte und sich primär als Actionfilm verstand. „Enigma“, entstanden nach dem vorliegenden Roman von Robert Harris, wurde ungleich exakter und besser verfilmt, denn bei der Verfilmung durch Michael Apted wurde mehr auf die geschichtlichen Details und überzeugende Charaktere geachtet. Dazu hatte Autor Robert Harris schon den Großteil beigetragen, denn sein historischer Spionageroman liest sich extrem spannend und versteht es, auf meisterliche Art und Weise Fiktion und Historie so zu verweben, dass ein spannendes Abbild der Vergangenheit entsteht, in das man förmlich eingesogen wird:

In Bletchey Park, einem streng bewachten Camp in England, werden rund um die Uhr feindliche Funksprüche dechiffriert. Das größte Problem, mit dem sich die alliierten Streitkräfte konfrontiert sehen, ist die titelgebende „Enigma“-Maschine, die den Funkverkehr so genial verschlüsselt, dass er scheinbar unknackbar wirkt. Doch für den Zweiten Weltkrieg ist es von entscheidender Bedeutung, die Funksprüche zu knacken, da die alliierten Geleitzüge im Atlantik auf dem Spiel stehen. Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Kryptomathematiker Tom Jericho, der sich plötzlich in einen Konflikt mit beiden Seiten versetzt sieht, denn auch seine Frau, die er so leidenschaftlich liebt, ist plötzlich verschwunden und alles deutet darauf hin, dass sie mit den Deutschen zusammenarbeitet… Spannend geschrieben, mit historischen Fakten verwoben, was will man als Leser mehr? Wem die ebenso gelungene Verfilmung nicht ausreicht, der sollte unbesorgt zum Buch greifen, um noch näher in die Ereignisse gezogen werden, die den Ausgang des Zweiten Weltkriegs maßgeblich beeinflussten.

Fazit: „Enigma“ von Robert Harris fasziniert durch die gekonnte Symbiose aus Historie, Fiktion und Emotionen und verdient sich eine klare Empfehlung für alle Freunde von historischen Spionagethrillern. (Tino Hahn)

Titel: Enigma
Autor: Robert Harris
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 379
ISBN: 3453184831

Die Eishölle

Erstellt am: Januar 18th, 2008

„Der Glanz des Felsens, weiß und kristallin wie Quarz, kam an diesem Ort der Schatten einer Blasphemie gleich. Meine Hand, die plötzlich zitterte, folgte den Umrissen von fremdartigen und obszön geformten Hieroglyphen. Der Felsen schien wie ein Finger auf den Eingang zu weisen, der sich vor uns auftat. Ich wandte mich gerade um, um ihn noch einmal anzuschauen, als Scardale auf mich zukam.

Von der Klippe wehte ein warmer Wind herab und trug Erinnerungen und Assoziationen an weit entfernte und zurückliegende Dinge mit sich. Meine Augen musterten die Klippe erneut und konnten nicht glauben, was sie sahen: ein in die schwarze Basaltoberfläche des Natursteins gehauener Torbogen; ein Tor, das in die tiefsten Tiefen der Erde zu führen schien; ein Tor, das überdies mehr als 150 Meter hoch sein musste.“

Basil Coopers vorliegender Roman „Die Eishölle“ liegt überdeutlich in der Tradition von H.P. Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“. Qualitativ liegen beide Romane gleich auf, wobei Lovecraft den Bonus des weltbekannten Horrorautoren besitzt, während Cooper ein breiteres Repertoire besitzt. Seine Kriminalromane, die sich um den Protagonisten Mike Faraday ansiedeln, gehen mittlerweile in die 52. Runde und unter seinen insgesamt 82 erschienenen Büchern tummeln sich auch einige Sachbücher. Eines seiner anderen Steckenpferde ist das Sammeln von alten Filmen und einige seiner Werke wurden bereits mehr schlecht als recht in Hollywood verfilmt.

In seinem 176 Seiten umfassenden Werk, in dessen Mittelpunkt die Expedition und Lüftung des Geheimnisses der titelgebenden Eishölle liegt, vereinen sich Grusel und Schrecken zu einer betörenden Atmosphäre. Einige Schwächen in der Charakterzeichnung werden so wieder ausgemerzt und seine Dialoge sind wesentlich besser gelungen als bei Lovecraft, der niemals ein Meister des Dialogs war, sondern seine Stärken eher in der Beschreibung sah. Für alle Freunde des subtilen, feinfühligen Horrors, der sich langsam anschleicht, bis er plötzlich hervorbricht, bietet „Die Eishölle“ anregenden Lesespaß. Fans von Basil Cooper sollten obendrein auf der Internet-Seite des Festa-Verlag vorbeischauen, denn nur dort gibt es die Gelegenheit, eine von 400 limitierten Ausgaben seiner Novelle „Beyond the Reef“ zu ergattern.

Fazit: „Die Eishölle“ steht in der Tradition von Lovecrafts Erzählung „Berge des Wahnsinns“, kann jedoch genügend eigene Akzepte setzen, um sich eine Empfehlung zu verdienen! (Tino Hahn)

Titel: Die Eishölle
Autor: Basil Cooper
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 176
ISBN: 3935822111

Die Opferung

Erstellt am: Dezember 20th, 2007

David Williams und sein 7-jähriger Sohn Danny reisen in das kleine Dorf Bonchurch auf der Isle of Wight. Aus akuter Geldnot hat David den Auftrag angenommen, dass Fortyfoot-Haus, eine Villa aus dem 19. Jahrhundert zu renovieren. In der ersten Nacht werden beide von merkwürdigen Geräuschen geweckt. David geht den Geräuschen nach und entdeckt auf dem Dachboden eine „Riesenratte“. Noch ahnt er nicht dass es sich um Brown Jenkin handelt, und der ist weitaus schlimmer, als Ratten es je sein können. Auf der Suche nach einem Rattenfänger, trifft David auf Harry. Dieser hat einiges über das Fortyfoot-Haus zu berichten. Vor langer Zeit war es einmal ein Waisenhaus, gebaut um armen Waisen aus dem Londoner East End ein Leben am Meer zu ermöglichen. Nach dem Tod des Erbauers starben innerhalb zwei Wochen alle Waisenkinder. Niemand fand heraus, was mit ihnen geschehen war. Harry kommt grauenvoll zu Tode, als er den Dachboden betritt, um Brown Jenkin in die Falle zu locken.

David findet heraus dass das Haus, in zwei Zeiten gleichzeitig existiert. Durch eine Klapptür zum Dachboden gelangt er in das Jahr 1888. Dort trifft er dann persönlich auf Brown Jenkin und kommt so dem Geheimnis der Villa, dass älter ist als die Menschheit und dessen Schrecken seine Vorstellungskraft übersteigt, näher. Wieder zurück in der Gegenwart hat David den Eindruck das erlebte sei reine Halluzination gewesen. Bald schon sieht er sich in eine Kette unheimlicher Ereignisse verwickelt.

Schon die ersten Zeilen enthalten eine Andeutung auf den Schrecken, der sich langsam aber sicher steigert und bald darauf vom Leser Besitz ergreift. Nach ersten kleinen Ungereimtheiten, Entdeckungen und Erscheinungen steigt die Spannung Stück für Stück Dabei geht es oft sehr blutrünstig zu. Immer beschreibt der Autor diese Szenen völlig skrupellos. Mit angenehmer Gänsehaut ist es nicht getan. Masterton schafft es wirkliche Atmosphäre zu schaffen und über den Schluss seiner Geschichte hinaus die Spannung zu wahren.

Seit 1976 mit „ Der Manitou“ sein erster Horrorroman erschien, ist Graham Masterton (geb. 1946) in vielen Ländern der Welt ein gefeierter Bestsellerautor.

Masterton zählt zu den erfolgreichsten und besten Schriftstellern des phantastischen Genres und wurde mit Preisen überhäuft.

In „Die Opferung „zollt Masterton seinem literarischen Vorbild H. P. Lovecraft Tribut: Der Roman baut auf Lovecrafts Novelle “The Dream In the Witch-House” auf. Masterton entwickelte aus den Ideen des Altmeisters ganz neue, überzeugende Varianten zum so genannten Cthulh-Mythos. (Silvia Dunker)

Titel: Die Opferung
Autor: Graham Masterton
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 287
ISBN: 3935822049

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: