Es wird mir fehlen, das Leben

Erstellt am: September 20th, 2007

Eine junge Frau, erst zweiunddreißig Jahre alt, Journalistin von Beruf, erhält die Diagnose : Krebs! Sie hat Zwillinge, erst 1/2 Jahr alt.

Die junge Frau ist außergewöhnlich intelligent , agil, lebensfreudig. Sie ist voller Pläne und voller Erwartungen an das vor ihr liegende Leben gewesen.

Sie beschreibt in der Folge ihren gesundheitlichen Niedergang und Verfall in einer Sprache der Selbstironie und Wahrhaftigkeit, wie sie mir in dieser Form noch nicht vorgekommen sind.

Ruth Picardie versucht alles, um die Krankheit zu besiegen oder wenigstens aufzuhalten.So versucht sie, auch Behandlungen in Anspruch zu nehmen , die mehr mit ” Glauben” als mit wirklichen Heilmethoden zu tun haben .Sie durchschaut jedoch jede Selbttäuschung bei sich selbst und stellt sich immer wieder der unerbittlichen Realität. Ihre Aufschreie der Empörung, der Auflehnung, der Verzweiflung, ja zuweilen auch Wut, gehen in Form von E- Mails an Freundinnen und Freunde in aller Welt,aber natürlich nur an diejenigen, die ihr nahe stehen.

Diese Form eines Bewältigungsversuches von Tod und Sterben ist neu : die Sprache der Jugend bietet eine Selbstwahrnehmung ohne Verleugnung, ohne Beschönigung, ohne Selbstmitleid,–oder doch nur in der Form ,dass auch dieses Selbstmitleid als solches glasklar erkannt und ausgesprochen wird.

Mit äußerst klarer Präzision beschreibt sie ihren todgeweihten Lebensweg. Sie sieht , wie die Kinder, der eigene Mann ihr entgleiten, wie sie immer ferner rückt von allem.

Ihr Mann kann ihr am wenigstens helfen.

Die Freunde hören und lesen von ihren Gedanken, ihren Gefühle ,ihren schwindenden Hoffnungen .

Am Ende steht das kreatürliche Vergehen. Ihre Mutter ist diejenige, die ihren letzten Weg mit ihr geht.
Sie stirbt mit 32 Jahren.

Es ist eine wahre , tragische, schreckliche Lebensgeschichte, anrührend gerade auch in der nüchternen und ohne Pathos angegangenen Beschreibung eines abgebrochenen und unvollendet gebliebenen Lebensweges. (Claudine Borries)

Titel: Es wird mir fehlen, das Leben
Autor: Ruth Picardie
Verlag: Rowohlt
Seiten: 175
ISBN: 3805206615

Heimatkunde

Erstellt am: September 20th, 2007

Der Autor erzählt in diesem kleinen Band Episoden aus seinem Leben. Er berichtet von seinen frühesten Kindheitserlebnissen, von seinen Eltern, die einen Tabakladen unterhielten und von ihren treuesten Kunden, die fast ausnahmslos an Lungenkrebs oder Gefäßleiden verstarben.

In einer ostwestfälischen Kleinstadt geht Treichel zur Schule. Er erzählt von dem Heimatkundeunterricht, der ihm dort erteilt wurde und von Klassenausflügen zu den Externsteinen, dem Hermannsdenkmal und zur Adlerwarte Berlebeck.

Später zieht der Autor nach Berlin um dort zu studieren. Nun informiert er die Leser über seine Erfahrungen in Theaterseminaren, führt uns die Macken von Professoren und Mitstudenten vor. Auch die unerfreulichen Seiten studentischer Jobs und Kurzarbeitsverhältnisse bleiben Treichel nicht erspart, hier darf er reichlich Erfahrungen sammeln.

Später, als anerkannter Wissenschaftler und Schriftsteller besucht er mit einem französischen Kollegen die Wannseevilla, wo die “Endlösung” beschlossen wurde. Der bedauernswerte Franzose. der durch die Nazis mehrere Angehörige verloren hat, muss zu seinem Leidwesen mit ansehen, wie eine Schulklasse dort zum vergnüglichen Ausflug einkehrt.

Zum Schluss erzählt uns der Autor noch etwas über einige Reisen, die er gemacht hat – nach Amrum, nach Portugal oder Venedig. Doch auch seine Reiseerfahrungen sind nicht unbedingt nur angenehmer Natur.

Wie auch in dem Band “Der Verlorene” besticht Treichel auch in diesem Buch mit äußerst knappen, stimmigen und unerhört präzisen Milieu- und Situationsschilderungen.

“Woher kennt der Kerl eigentlich meinen früheren Heimatkundelehrer”, fragte ich mich bei der Lektüre des entsprechenden Kapitels.

Die Beschreibung, der nahezu erdrückenden räumlichen und geistigen Enge während der fünfziger Jahre ist so treffend, dass ich einige Bilder fast plastisch vor mir sehe.

Auch die Stimmung, die in West-Berlin während der siebziger und achtziger Jahre – vor der Wende im Osten- herrschte ist sehr genau eingefangen. Alles stimmt hundertprozentig, kein falscher Ton, keine missratene Metapher.

Die letzten Kapitel des Buches lassen dann allerdings doch etwas zu wünschen übrig. Treichels Erlebnisse mit portugiesischen Dichtern oder seine Enttäuschung über Venedig, interessieren mich weniger und sind – zumindest für mich – auch ohne besondere Bedeutung.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Heimatkunde
Autor: Hans-Ulrich Treichel
Verlag: Suhrkamp
Seiten: 130
ISBN: 3518396110

Ein rundherum tolles Land

Erstellt am: September 20th, 2007

Da der erste Teil der Lebenserinnerungen von Frank Mc Court “Die Asche meiner Mutter” zu den meiner Meinung nach erfreulichsten Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt der letzten Jahre gehört, war es für mich nur naheliegend schon kurz nach der ersten Veröffentlichung auch die Fortsetzung dieses Romans zu lesen.

Nach seiner schwierigen Kindheit in Irland macht sich der Autor mit neunzehn Jahren auf den Weg in die USA. Da er dort, als Sohn irischer Eltern, geboren wurde, besitzt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und kann sich dort ohne weitere Formalitäten niederlassen, doch trotz dieses Vorteils sind die ersten Monate, die der junge Mann in den USA verbringt alles andere als leicht. Er wohnt bei einer geizigen, engherzigen Dame zur Untermiete, muss schwere und niedrige Arbeiten verrichten und erhält nur kärglichen Lohn, von dem er einen Großteil seinen notleidenden Angehörigen in Irland schicken muss; zu allem Übel bricht auch noch sein altes Augenleiden, ein Überbleibsel aus der elenden Zeit in Irland, wieder auf. Die Einberufung zur Army erscheint ihm daher wie ein Geschenk des Himmels. Zu seinem Glück muss der Autor nicht nach Korea, wo gerade Krieg herrscht, sondern er kann seine Dienstzeit in Bayern verbringen, zunächst als Hundeführer und später als Schreiber.

Nachdem er in die USA zurückgekehrt ist, absolviert der Autor ein Lehrerstudium. Doch auch nach Beendigung desselben geht es mit dem sozialen Aufstieg des jungen Mannes nur langsam voran. Er muss sich in einer Berufsschule mit mehr oder eher weniger lernbegeisterten Schülern herum ärgern, verdient immer noch erbärmlich wenig Geld und hat obendrein mit einem gewissen Hang zu Kneipenbesuchen Besäufnissen, der ihn ebenso wie viele seiner irischen Landsleute plagt, zu kämpfen. So ist das Scheitern seiner ersten Ehe vorprogrammiert. Nach und nach finden auch die drei Brüder Mc Courts und am Ende sogar seine Mutter Angela den Weg in die USA, so dass die Familie, mit Ausnahme des nichtsnutzigen Vaters wieder vereint ist. Doch die Eintracht, die Mutter und Söhne trotz der bitteren Armut in Irland verband, lässt sich in Amerika nicht so leicht wieder herstellen. Zu sehr hat sich die Lebenseinstellung der jungen Leute von der irisch katholischen Haltung ihrer Mutter fort entwickelt.

Mit der gleichen direkten, klaren und schnörkellosen Sprache, die mich schon bei “Die Asche meiner Mutter” so sehr begeisterte, erzählt Mr. Mc Court auch diesen Teil seiner Autobiographie, insgesamt reicht der Roman jedoch nicht an die Klasse des Erstlingswerkes heran. Er ist ohne Frage spannend, lesbar und humorvoll geschrieben, doch fehlt im die große Eindringlichkeit des Vorgängerbuches. Einen Roman wie “Die Asche meiner Mutter” bringt man halt nicht alle Tage zu Papier. Dieses Buch hat Mc Court mit Herzblut geschrieben, das merkt man Satz für Satz, bei dem nun vorliegenden zweiten Band seiner Erinnerungen hingegen hat er ganz einfach Tinte oder Schreibmaschine benutzt. Ein gutes Buch ist “ein rundherum tolles Land” trotzdem. Mc Court bringt, ohne unangenehm belehrend zu wirken, viele kluge Gedanken zu Papier, er entwirft ein glaubwürdiges Bild der amerikanischen Gesellschaft während der fünfziger und sechziger Jahre, lässt seine Leser teilhaben am Leben der ärmeren Amerikaner, der Hotelgehilfen und Hafenarbeiter, erzählt von den Sorgen und Nöten eines jungen Lehrers, zeigt uns die tiefe Kluft, die sich zwischen den etablierten alteingesessenen protestantischen Upperclass- Amerikanern und den katholischen Zuwanderern aus Irland und Italien auftut. Mc Court demonstriert immer wieder seine große Sympathie für die kleinen Leute, die fröhlichen trinkfesten Iren, und vor allen Dingen die bildungshungrigen jungen Schwarzen und er macht seinen Lesern Mut, trotz schwieriger äußerer Bedingungen, Wagnisse einzugehen, und sich von dem Weg, den man einmal als richtig erkannt hat, nicht abbringen zu lassen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Ein rundherum tolles Land
Autor: Frank McCourt
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Seiten: 487
ISBN: 3630870341

Die Mütze oder Der Preis des Lebens

Erstellt am: September 20th, 2007

Roman Frister, der mit diesem Roman seine Autobiographie veröffentlicht, wurde 1928 in Polen als Sohn gutbürgerlicher jüdischer Eltern geboren. Von den Nazis wird die Familie aus ihrer Heimat vertrieben und ins KZ verschleppt, wo der Junge die Ermordung seiner Mutter durch den SS-Schergen Kunde und den Hungertod seines Vaters miterleben muss.

Im Vernichtungslager ganz auf sich allein gestellt, muss Frister Tag für Tag aufs Neue um sein Überleben kämpfen. Es gilt der Selektion zu entkommen, Hunger und Krankheiten zu überleben, er muss Quälereien durch die KZ-Aufseher und sadistische Mitgefangene erdulden und jederzeit darauf gefasst sein, durch irgendeinen dummen Zufall sein Leben zu verlieren. Er wagt einen Fluchtversuch, entgeht dabei nur knapp dem Tode und weiß am Ende keinen anderen Ausweg, als ins Lager zurückzukehren.

Als die Nazis 1945 die besetzten Gebiete in Polen räumen müssen, wird Frister, gemeinsam mit anderen Insassen eines Außenlagers von Auschwitz, nach Mauthausen transportiert. Dieses Lager ist die absolute Hölle!

“Ich ahnte nicht einen Moment, daß ich an der Schwelle zu einem Ort stand, der mich dazu bringen würde, Auschwitz zu vermissen.” schreibt Frister.

Unbeschreibliche Qualen müssen die Insassen erdulden, bevor man sie im Frühjahr, auf den Marsch in Richtung Wien schickt. Die ausgemergelten Gefangenen haben auf ihrem fünftägigen Marsch kaum etwas zu essen und viele überleben die Strapaze nicht. Doch im Chaos der letzten Kriegstage werden die Elendsgestalten noch einmal zurückgeschickt. Als endlich die Befreier kommen, ist der Autor mehr tot als lebendig.

Nur langsam erholt er sich, er hat Tbc, Darminfektionen und Hungerödeme.

Doch nach seiner Genesung taucht er in Polen ein ins volle Leben. Er wird ein erfolgreicher Journalist, vielfacher Herzensbrecher, heimlicher Schmuggler und ist immer obenauf. Doch dann fällt er bei den Kommunisten in Ungnade und wird vorübergehend inhaftiert. 1957 entschließt er sich zur Emigration nach Israel.

Die gesamte Geschichte ist nicht streng chronologisch erzählt, sondern der Roman besetzt immer wieder mehrere Zeitebenen. Frister berichtet über seine Kindheit und Jugend, dann wendet er sich ab und erzählt von den Nachkriegsjahren in Polen, von seiner Zeit im Vernichtungslager, und gelegentlich auch von seinem Leben in Israel.

Das Hauptthema des Romans ist aber das Leben unter den grausamen Bedingungen im KZ. Hier erzählt Frister mit einer schonungslosen Eindringlichkeit, die wirklich unter die Haut geht. Er beschönigt nichts, auch nicht sein eigenes Verhalten.

In der Schlüsselszene, die den Namen für das Buch liefert, erzählt Frister, wie ihm von seinem Feind, einem sadistischen Funktionshäftling, die Gefangenenmütze gestohlen wird, ohne die ein Häftling den morgendlichen Appell nicht überlebt. Frister weiß nur einen Ausweg: Er selber muß sich bei einem Mitgefangenen schadlos halten. Heimlich entwendet der junge Mann einem schlafenden Unbekannten die Kopfbedeckung, was dessen Ende besiegelt.

Die Schilderungen des Autors über sein späteres Leben, sind jedoch meist weniger bedeutend. Sein zahllosen Frauengeschichten und die Händel mit polnischen Behörden, israelischen Zeitungen und weltweit bekannten Pressetycoonen sind für mich ohne großes Interesse.

Trotzdem ist das Buch insgesamt ein wichtiges Stück Literatur, das ich gerne weiterempfehlen möchte.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Die Mütze oder Der Preis des Lebens
Autor: Roman Frister
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 3442755360

Elegie für Iris

Erstellt am: September 19th, 2007

In einem anrührenden Rückblick über ihr gemeinsames Leben beschreibt der Literaturwissenschaftler und Romanschriftsteller John Baley die Geschichte seines Lebens und seiner Ehe mit der in England zu ihrer Zeit sehr bekannten und angesehenen Philosophiedozentin und Romanschriftstellerin Iris Murdock.

Als sich die beiden kennen lernten , ist er erst 28 , sie dagegen schon 34 Jahre alt. Sie scheint lebenserfahren und reif , mit einiger Menschenkenntnis ausgestattet und nicht ohne die Erfahrungen diverser Liebesbeziehungen.

Er hingegen bezeichnet sich zu jener Zeit als jung und naiv.

Diese gewisse Jugendlichkeit ihr gegenüber und auch, in meinen Augen, naive Bewunderung für sie durchzieht das ganze Buch.

Bemerkenswert ist die innige Lebensgemeinschaft, in die diese beiden Menschen hineinfinden bei offensichtlich gleichzeitig bewahrter Autonomie.

Iris Murdock erkrankt etwa im Alter von 75 Jahren an der Alzheimerschen Krankheit. In einer bewegenden Ehrung für seine Frau berichtet John Balay in diesem Buch über sein Zusammenleben mit ihr, den langsamen Verlust ihres Gedächtnisses, ihrer Handlungsfähigkeit und dem Versinken in das Dunkel der Krankheit.

Sie sind ein humorvolles und liebevolles Paar miteinander, voll spielerischer Vergnügungen, ernsthaft in ihrem Austausch über ihre Arbeit , gesellig, gleichzeitig die Eigenständigkeit des anderen achtend.

Auf der Ebene des Humors, gleicher Lebensgewohnheiten und gewisser häuslicher und intimer Rituale gelingt es John Baley, sich die liebevolle Zuneigung zu seiner Frau trotz ihrer lebenseinschränkenden Erkrankung zu bewahren. Sie bleibt eine fröhliche Frau , auf deren Temperament er sich einlässt, so dass sie weiterhin in einer zärtlichen und bis zu ihrem Tode liebevollen Beziehung zueinander zu verbleiben vermögen.

Zuweilen ist seine fast durchgängige Bewunderung, liebevolle Fürsorge und Rücksichtnahme für sie fast unglaublich. Aber sicher legt das Buch Zeugnis ab von einer ungewöhnlichen Liebe und hingebungsvollen Beziehung zwischen zwei Menschen, wie sie selten zu finden sein wird. John Baley schreibt in einen schönen Stil, lebendig und fesselnd .

Es ist keine Trauerbuch, kein Sterbensbuch, sondern schlicht und einfach eine Liebesgeschichte von ungewöhnlichem Format. (Claudine Borries)

Titel: Elegie für Iris
Autor: John Baley
Verlag: C.H. Beck
Seiten: 260
ISBN: 340646064X

Emil und die Detektive

Erstellt am: September 19th, 2007

Neben „Pünktchen und Anton“ läuft ein weiterer Film von Erich Kästner auf den deutschen Kinoleinwänden: „Emil und die Detektive“. Aus dem Hause Karussell stammt das gleichnamige Hörspiel. Das Original-Hörspiel zum Kinofilm besteht aus zwei Teilen.

Emil Tischbein, gesprochen von Tobias Retzlaff, ist ein 12jähriger Junge aus Ostdeutschland. Seine Mutter hat die Familie verlassen; er lebt bei seinem arbeitslosen, vom Pech verfolgten Vater. Emil bemerkt die Trauer seines Vaters; umso größer ist die Freude, als sein Vater einen Job als Staubsaugervertreter bekommt. Voller Freude und Aufregung gerät Knut Tischbein, Emils Vater, in einem Autounfall. Während seines Krankhausaufenthalts soll Emil die Ferien in Berlin bei Pastorin Hummel (Sprecherin: Maria Schrader) und ihren Kindern verbringen.

Hier beginnt der aufregende Teil der Geschichte. Emil fährt mit dem Zug nach Berlin. Dort will er einen Führerschein für seinen Vater erkaufen. Denn nur Emil weiß, dass sein Vater durch den Unfall die Fahrerlaubnis verloren hat. Ohne diese verliert er auch seinen Job. Emil stößt bereits im Zug auf die ersten Probleme. Ein gerissener Dieb stiehlt Emils gesamtes Geld. Das sind sage und schreibe 1.500 DM.

In Berlin angekommen, trifft Emil auf den Dieb. Er nimmt die abenteuerliche Verfolgung auf. Schnell lernt er die Bandenchefin Pony Hütchen (Anja Sommavilla) kennen. Emil, Pony und ihre Bande versuchen fortan das Geld zurückzubekommen. Dabei verstricken sie sich in ein halsbrecherisches Abenteuer.

Das Original-Hörspiel zum Film eignet sich für Kinder ab ca. 5 Jahren. Das Hörspiel ist auf zwei Folgen verteilt. Teil 1 wirkt zu Beginn der Folge etwas langatmig. Dies ändert sich spätestens mit Emils Zugfahrt und Ankunft in Berlin. Die Sprecher sind sehr deutlich zu verstehen. Auch die Untermalung von Musik, sowie die Einstreuung von Geräuschen und Effekten sind genau mit der jeweiligen Situation abgestimmt.

Mit einer Gesamtlänge von 50 Minuten pro Folge wird kleinen und großen Leuten ein lustiges Abenteuer garantiert. (Patrick Fiekers)

Titel: Emil und die Detektive
Autor: Karussel
Verlag: Universal Family Entertainment

Der Schneider von Panama

Erstellt am: September 19th, 2007

Als John le Carré 1996 den “Schneider von Panama” schrieb, lag das Ereignis, das seine Fantasie entfachte, noch in der Zukunft: Ende 1999 wollten die USA den Panama-Kanal an den südamerikanischen Staat zurückgeben. Der Autor des “Spions, der aus der Kälte kam” und weiterer 15 Agententhriller malte sarkastisch aus, welches machtpolitische Gerangel diesem Datum vorausgehen könnte.

Vor diesen ernsten Hintergrund schiebt John le Carré die brillant ausgestaltete Tragikomödie eines hoch verschuldeten Prominentenschneiders, den der britische Geheimdienst zwingt, halb Panama-City auszuhorchen, um zu erfahren, was geschieht, wenn der Kanal “unter den Hammer kommt und die Auktion von einem Haufen gerissener Gauner durchgezogen wird”.

Um den 460 Seiten starken Roman in ein Hörspiel für den Westdeutschen Rundfunk umzuwandeln, musste Uta-Maria Heim, eine Mitarbeiterin unserer Fernsehseite, die ebenso amüsanten wie peniblen Personenporträts auf das Notwendigste zusammenschmelzen. Empfindliche Verluste nahm sie wohl oder übel in Kauf. Als Kern bleibt die sowohl brandaktuelle als auch zeitlose Geschichte von Menschen, die sinnlos leiden und sterben, weil sie ins Räderwerk der Großmächte und wirtschaftlicher Interessen geraten.

Diese stark verkürzte Version machte es dem Regisseur Klaus Wirbitzky unmöglich, le Carrés Einsichten in die Gedankenwelt des Schneiders Harry Pendel, der den USA und Großbritannien durch Falschinformationen einen willkommenen Grund zum Militäreinsatz liefert, an die Hörer weiterzuleiten. Nur die Stimmen der Sprecher formen jetzt die Charaktere. Und die haben mit den Originalen nichts mehr gemein.

Stefan Behrens vermittelt als Harry das Bild eines Duckmäusers, der erfindet, was man von ihm erwartet, während Le Carré einen Mann schildert, der sich unschuldig und genießerisch an seiner Fabulierkunst weidet und der dem ahnungslosen Säufer Mike Abraxas eine Führerrolle in der “Stillen Opposition” wie einen perfekt sitzenden Anzug auf den Leib schneidert, einfach nur weil er den geliebten Freund gerne als Helden sehen würde.

Den Londoner Spion Andrew Osnard, der Harrys Redetalent durch Erpressung und verlockende Geldsummen herausfordert, kennen die Leser als fetten Seelenfänger aus der Hölle mit nadelspitzem, rot funkelnden Blick. Joachim Król wirkt jedoch wie ein ruhiger Routinier, der gewohnt ist zu bekommen, was er will.

Dem Schriftsteller Le Carré wird das Hörspiel als selbstständiges Genre sicher nicht gerecht. Aber es lenkt die Aufmerksamkeit auf den Bestsellerautor als Zeitkritiker und erfüllt damit eine selten angemessen bewältigte Aufgabe. Wenn das Resultat darüberhinaus die Neugier auf den Roman wecken kann, dann ist auch dem Medium Buch gedient.

Kritik geschrieben von Monika Lanzendörfer, BÄNG 2000 – Das kritische Magazin für Leute mit Horizont

Titel: Der Schneider von Panama
Autor: John le Carré
Verlag: Der HörVerlag
ISBN: 3895848034

Fünf Freunde und das verschwundene Pferd

Erstellt am: September 19th, 2007

Was hinter verbotenen Türen steckt, entdecken die Fünf Freunde Julian, Dick, Anne, George und Timmy der Hund im gleichnamigen Hörspiel. In vierzig Folgen haben die Kinder ihr detektivisches Gespür bereits unter Beweis gestellt. So auch in „Fünf Freunde und das verschwundene Pferd“.

Die Abenteuer von Enid Blyton spielen auch dieses mal wieder auf der Felseninsel. Alles dreht sich nur um Rosen. Tante Fanny veranstaltet ein Rosenzüchtertreffen. Viele Menschen tümmeln sich auf Kirren Island, und auch auf dem Hof von Onkel Quentin und Tante Fanny. Die Fünf Freunde müssen im Freien übernachten, da jedes Zimmer für die Gäste benötigt wird. Doch schon in der ersten Nacht beobachten sie den Rosenzüchter Bixbie, der ihnen äußerst merkwürdig erscheint.

Das Rosentreffen ist für die Fünf uninteressant. Sie verbringen ihre Zeit auf einem neuen Reiterhof, der kurz vor der Eröffnung steht. Schnell bekommen sie mit, dass Pferde gestohlen werden – und dies in der gesamten Umgebung. Den Täter vermuten sie unter den Rosenzüchtern, evtl. Bixbie? Zusammen versuchen sie dem Täter auf die Schliche zu kommen.

In Folge 40 der Hörspielreihe „Fünf Freunde“ bekommt man wieder einmal Kontakt mit den neuen Sprechern (Marco Kraft, Jannik Endemann, Theresa Underbeerg, Alexandra Garcia). Diese wirken durchaus überzeugend, können allerdings nicht zu den Klassikern aufschließen. Spannend ist diese Folge allemal.

Alten Hasen wird hier sicherlich der Sprecher von Bixbie auffallen. Rüdiger Schulzki spricht in den Larry Brent – Hörspielen den Agenten XR1, womit er sich zum Kultobjekt der Hörerschaft entwickelt hat. (Patrick Fiekers)

Titel: Fünf Freunde und das verschwundene Pferd
Autor: Enid Blyton
Verlag: Europa / BMG Ariola Miller

Zeitensprünge

Erstellt am: September 19th, 2007

Die Lebenserinnerungen des österreichischen Autors und Musikers Hugo Wiener bieten viel heiteres aber auch tragisches. Seine Karriere begann in den 20er-Jahren in Wien. Er schrieb Lieder- und Operettentexte, Sketches für Kabarett und Fernsehen und hauptsächlich spielt Klavier, später in erster Linie als Begleiter seiner Frau Cissy Kraner.

Als Jude floh er nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich nach Südamerika und schlug sich dort mehr schlecht als recht mit seiner Frau durchs Leben. Er verlor seine gesamte Familie und viele Freunde in den Konzentrationslagern der Nazis.

Bald nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und feierte dort schnell wieder zahlreiche Erfolge. Er textete unter anderem mit an den berühmten Doppelconférencen von Farkas und Waldbrunn und begegnete während seines langen Lebens zahllosen Berühmtheiten aus der Unterhaltungsbranche. Über diese sind auch zahlreiche Anekdoten in dem Buch zu finden. Vor allem Liebhaber alter Filme, Fernsehstücke, Operetten und Kabaretts werden viele bekannte Namen wiederfinden.

Kritik wurde geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von www.buchkritik.at

Titel: Zeitensprünge
Autor: Hugo Wiener
Verlag: Ullstein
Seiten: 309
ISBN: 3548354416

Roman eines Schicksallosen

Erstellt am: September 19th, 2007

Imre Kertész war selber von 1944-1945 im Alter von fünfzehn Jahren in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Buchenwald. In seinem Roman eines Schicksalslosen beschreibt er aus der Perspektive des fünfzehnjährigen Jungen seine eigene Geschichte. Mit tiefer Beklemmung geht man seinen Weg mit : naiv und unvoreingenommen beginnt er seine Reise ,ja, es fällt ins Auge , dass seine Berichte fast durchweg von den Attributen“ verständlicherweise“ und “natürlich“ komplettiert werden. Es scheint ihm in der Tat vieles logisch und schlüssig, so wie er seine Erfahrungen macht. Nach und nach sieht man sich den unmenschlichen Transporten in die Lager, dem Hunger, dem Durst, der Kargheit der Unterkünfte, schließlich Krankheit , Entmenschlichung und dem Tod gegenüber. Am Ende beschreibt er seine Erfahrungen als eine, in der die “ Zeit“ eine gewichtige Rolle spielt. Ohne die Zeit , die langsam vergeht, und die immer weiter geht, wie er selbst, die langsam zu den unmenschlichen Orten und Zuständen führt “könnte man das nicht ertragen haben “. Wie ein Somnambuler erscheint einem der Erzähler im Laufe des Berichtens. Dass das Erlebte eigentlich nicht beschreibbar ist,– so wird es dem Leser am Ende bedeutet. Nur im Miterleben durch die Augen des Jungen bekommt man eine Ahnung des Grauens. Und dass sogar an diesen Orten so etwas wie Glück möglich war , dass diese Erfahrung des Gefühls von Glück wichtig war, als Ausdruck dessen , was den Menschen ausmacht. Daß er sein nicht fortsetzbares Dasein fortsetzen werde,– weil das Leben zu leben am Ende alles andere übertönen wird. Wer eine Vorstellung vom Grauen in den Konzentrationslagern erlangen will, der sollte das Buch unbedingt lesen. Es ist sensibel und still geschrieben und berührt den Leser sehr. (Claudine Borries)

Titel: Roman eines Schicksallosen
Autor: Imre Kertész
Verlag: Büchergilde Gutenberg ,Rowohlt Verlag
Seiten: 487
ISBN: 3763246770

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