Vergessen Sie alles über Rhetorik

Erstellt am: Juli 7th, 2008

Reden halten vor Publikum – Ein Gedanke, der in vielen von uns Unbehagen auslöst. Dabei ist doch gerade die Fähigkeit, Menschen im Gespräch und im Vortrag zu überzeugen, zu begeistern und auf seine Seite zu bringen, wichtiger als je zuvor.

Wie in anderen Bereichen hat auch in der Rhetorik ein rasanter Wertewandel stattgefunden. Regeln, die seit Jahrhunderten Bestand haben, sind überholt worden und zu Staub zerfallen. Methoden wie Übersichten am Anfang, Begrüßungen, Stilblüten und eloquent getrimmte Ausdrucksformen sind Altlasten aus vergangener Zeit.

Matthias Pöhm, nach eigenen Angaben der unbestreitbare Schlagfertigkeitstrainer Nummer 1 im deutschsprachigen Raum, hat jetzt seine gesammelten und komprimierten Erfahrungen in „Vergessen Sie alles über Rhetorik“ in schriftlicher Form gesammelt. Die Zielsetzung ist es, jeden die Rüstmittel an die Hand zu geben, mit deren Hilfe man mitreißend reden lernen kann. Dazu liefert das Buch handfeste Anleitungen, wie man sich mit einer einzigen Rede als Meinungsführer etablieren kann, wie Sie mit Gleichnissen ohne Umwege ins Gedächtnis Ihrer Zuhörer gelangen und noch viele weitere Tipps und Tricks, um sich langfristig als guter Redner etablieren zu können.

In seiner Einleitung erklärt Pöhm, dass auch er früher Probleme damit hatte, vor Leuten zu reden. Ob es ihm wirklich so ging oder ob es sich damit nur um eine psychologische Motivationssteigerung handelt, ist mehr als ungewiss, doch ihre Wirkung erfüllt die Einleitung auf jeden Fall. Frisch motiviert geht der ambitionierte Leser ans Werk, um sich mit der neuen Rhetorik anzufreunden, deren obere Maxime folgendermaßen lautet: Nur die Wirkung zählt! Dabei bleibt allerdings die hohe sprachliche Qualität auf der Strecke, denn an Stelle von eloquent formulierten Sentenzen treten klare und prägnante Sätze, die von jedem verstanden werden können. Dadurch wird klar, dass „Vergessen Sie alles über Rhetorik“ polarisieren wird, denn auf der einen Seite ist es natürlich äußerst wünschenswert, dass eine Rede von allen Zuhörern verstanden wird, doch auf der anderen Seite ist eine hohe sprachliche Qualität ebenso erwünscht. Pöhms Ratgeber wendet sich mit seinen Ausführungen also in erster Linie an all diejenigen, deren Rede möglichst klar, präzise und vor allen Dingen verständlich sein muss, z.B. auf Verkaufsveranstaltungen.

Man sollte jetzt nicht alle Rhetorikregeln über Bord werfen, sondern die zahlreichen guten Anregungen und Anleitungen von Matthias Pöhm sorgfältig befolgen, denn in den letzten Jahren kam kaum neuer Wind in die Branche der Rhetorikbücher, doch „Vergessen Sie alles über Rhetorik“ wird einen wahren Wirbelwind entfachen und angestaubte Regeln einfach wegfegen. Doch als komplett neuer Rhetorikleitfaden ist das Buch nicht geeignet, lediglich als sehr gute Ergänzung.

Fazit: „Vergessen Sie alles über Rhetorik“ will verkrustete Rhetorik-Strukturen aufbrechen, doch das geht leider einher mit dem Verlust von Qualität. Als sehr gelungene Ergänzung zu bestehenden Rhetorikratgeber jedoch auf jeden Fall zu empfehlen. Auch für Leiter von Verkaufsveranstaltungen eine definitive Empfehlung. (Tino Hahn)

Titel: Vergessen Sie alles über Rhetorik
Autor: Matthias Pöhm
Verlag: MVG Verlag
Seiten: 222
ISBN: 347873231X

Das Kartell der Kassierer

Erstellt am: Juli 6th, 2008

Endlich als Taschenbuch verfügbar ist Oggers “Kartell der Kassierer”. Das Buch führte wochenlang die Spiegel-Bestsellerliste an, so dass sich eine Rezension eigentlich erübrigt. Nach den deutschen Managern hat Ogger die Banken zur Zielscheibe genauerer Recherchen gemacht. Per Zeitungsinserat suchte er Opfer dubioser Geschäftspraktiken, und die detaillierten Schilderungen lassen selbst gutgläubigen Zeitgenossen die Haare zu Berg stehen. Glaubt man Ogger, verfolgen die Banken das Ziel der Gewinnmaximierung nicht nur ohne Rücksicht auf menschliche und materielle Verluste, sie bewegen sich dabei zunehmend auch in legalen Grauzonen. Die Fakten sind größtenteils leider nicht recherchierbar, da Ogger in Fallbeispielen allerdings sowohl die Namen der Opfer als auch die beteiligten Banken nennt und offensichtlich keine Unterlassungsklagen vorliegen, kann den Berichten weitgehend Glauben geschenkt werden.

Ogger deckt auf, kritisiert und polemisiert gegen die weltweit einzige Branche, der es sowohl in Rezessionen als auch in Hochkonjunktur blendend geht. Leider entwickelt er einen möglichen Gegenentwurf nur äußerst halbherzig – zwar ist der Zorn auf die Kreditinstitute am Ende des Buches immens, aber was gegen die Missstände und Cowboy-Methoden getan werden kann, das weiß auch Ogger nicht. Dennoch ein mit Gewinn zu lesendes Buch mit anständig eingelöstem aufklärerischen Anspruch. (Tim Kaiser)

Titel: Das Kartell der Kassierer
Autor: Günter Ogger
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 320
ISBN: 342677514X

Wie und warum nutzen Menschen Medien? Was sagen Auflagenzahlen, Reichweiten und Einschaltquoten aus? Welche Interessen bestimmen die angewandte Medienforschung und welche Fehlerquellen gibt es?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich „Mediennutzung – Mediaforschung, Medienfunktionen, Nutzungsmuster“, erschienen bei der UVK Verlagsgesellschaft. Autor Michael Meyen, der als Lehrbeauftragter für Kommunikationswissenschaft an den Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg tätig ist, gibt auf 235 Seiten Antworten auf die eingangs erwähnten Fragen. Mittels einer Erläuterung der theoretischen Ansätze der Mediennutzung gibt Meyen auch weniger in die Materie involvierten Lesern die Möglichkeit, seinen Ausführungen in den weiteren Kapiteln zu folgen.

In einem sehr interessanten Kapitel darüber, wie die Reichweite von Medien gemessen wird, gibt der Autor einen tieferen Einblick darin, wie man sich in dem Dschungel aus Zahlen, der sich aus den verschiedenen Ergebnisse ergibt, nicht hoffnungslos verfängt, sondern die richtigen Schlüsse daraus zieht. Anhand von dem realen Leben entnommenen Beispielen wird die Wichtigkeit von Mediaforschung verdeutlicht: So wird z.B. erklärt, wie es dem Burda-Verlag gelang, 1993 „Focus“ auf den Markt zu bringen und dort zu etablieren. Durch Zielgruppenbefragungen wurde sichtbar, welche Kritikpunkte die Leser an dem Monopolmagazin „Spiegel“ hatten: Viele wünschten sich verständlichere und übersichtliche Themen, Fairness und Artikel, in denen Nachricht und Meinung klar getrennt ist. Mit diesen Fakten ausgestattet, konnte der Burda-Verlag sein neues Magazin am Markt etablieren und was noch viel mehr verwunderte: Die genaue Vorgehensweise wurde veröffentlicht, was allerdings nur mit den Besonderheiten am deutschen Nachrichtenmagazinmarkt zu erklären ist, denn aller Voraussicht nach wird es so schnell keinen weiteren Neustart geben. Mittels dieses Beispiel illustriert Meyen sehr deutlich, wie wichtig Mediaforschung sein kann und auch in den später folgenden Kapiteln zu Verbreitung und Nutzung der Medien und Medienbewertung bringt er ähnlich gelungene Beispiele, die plastisch vor Augen führen, wie die Theorie sich in der Praxis auswirkt. Dies trägt einen großen Teil dazu bei, warum „Mediennutzung“ trotz des schwer verdaulichen Themas ein angenehm leicht zu lesendes und nur selten mit Fachausdrücken gespicktes Fachbuch geworden ist, welches allen Beschäftigten in der Medienbranche und an der Materie interessierten Lesern wärmstens ans Herz gelegt werden kann.

Für weiterführende Studien bietet das Literaturregister genügend Quellen, ein Abkürzungsverzeichnis sorgt für die nötige Klarheit: Sogar Begriffe wie FAZ oder NDR werden in ihrer ausgeschriebenen Form aufgeführt und machen noch einmal deutlich, dass auch absolute Laien auf dem Gebiet nicht als ungebetene Gäste betrachtet werden. (Tino Hahn)

Titel: Mediennutzung – Mediaforschung, Medienfunktionen, Nutzungsmuster
Autor: Michael Meyen
Verlag: UVK Verlagsgesellschaft
Seiten: 235
ISBN: 3896693166

PC & Datenschutz

Erstellt am: Juli 4th, 2008

Einen guten Eindruck macht das Buch „PC & Datenschutz“ aus dem Hause DATAKONTEXT. Durch den fortwährenden Einsatz von PC, Netzwerk & Co. steht der Aspekt Sicherheit allen voran. Die Intensität der Rechnernutzung steigt stetig an. Folge ist ein höheres Risiko für Datenschutz und -sicherung. Die Autoren Sebastian Dworatschek, Alfred Büllesbach und Hans-Dietrich Koch sprechen Hersteller, Vertreiber, Führungskräfte und Betriebsräte direkt an, um sie mit dem Buch „PC & Datenschutz“ über Risiken und Sicherheitskonzepte zu informieren. Im ersten Teil des Buches wird der Wandel der Informations- und Kommunikationstechnologie noch einmal verfolgt. Unterschiedliche Technologien, wie Client / Server und Internet / Intranet werden behandelt. Dazu kommen Kommunikationswege und Übertragungsnetze, die einen großen Teil der Angriffsfläche in internen Rechnernetzwerken ausmachen. Ist das Grundlagenwissen bekannt oder bereits gelesen, geht es in die Theorie, zum Bundesdatenschutzgesetz und den Wechselwirkungen von Recht und Informationstechnologie. Die unterschiedlichen Gesetze und Rechtsarten, wie Teledienstegesetz, Staatsvertrag über Mediendienste, Urheberrecht oder digitale Signatur werden auf Ihre Anwendung im Bereich des IT-Sektors analysiert. Der zweite große Teil handelt von arbeitsorganisatorischen und technischen Risiken. Hier überprüfen Dworatschek & Co. in wie weit beispielsweise eigenentwickelte Software, Computerviren oder das Internet eine Herausforderung an den Datenschutz stellt. Darüber hinaus werden Konzepte aufgestellt, die schon beim Kauf eines Rechners wirken und grobe Sicherheitslücken gar nicht erst zulassen. Das Buch „Personal Computer & Datenschutz“ ist ein Ratgeber, der sich neben theoretischen Ansätzen auch mit der Praxis, wie z. B. Hardwarekauf und Firewalls befasst. Die Autoren geben Analysehilfen und stellen Maßnahmenkataloge auf, auf denen Firmen sich stützen können.

Titel: PC & Datenschutz
Autor: Sebastian Dworatschek
Verlag: Datakontext
Seiten: 236
ISBN: 3895771236

Wer richtig kommuniziert wird reich

Erstellt am: Juli 4th, 2008

Für viele Bereiche unseren Lebens mag der einfache Sinnspruch „Bescheidenheit ist eine Zier“ Geltung haben, doch gerade im PR-Bereich gilt das genaue Gegenteil: Ohne öffentliche Aufmerksamkeit gelingt es kaum einen Unternehmen, sein Produkt erfolgreich zu vermarkten. Public Relations gehören zu den wichtigsten Stützpfeilern in jedem Unternehmen, aber auch Einzelpersonen können durch geschickte Öffentlichkeitsarbeit viel für ihr positives Image tun, wie es z.B. Verona Feldbusch sehr erfolgreich demonstriert hat: Innerhalb kurzer Zeit konnte sie ihr negatives Image dermaßen wandeln, dass sie jetzt in Umfragen als eine der intelligentesten Frauen Deutschlands bezeichnet wird.

Dieses Beispiel zeigt allerdings auch, wie gefährlich PR sein kann, denn auch gezielte Falschinformationen können dadurch verbreitet werden, aber auf diese Gefahr weist Autor Klaus J. Stöhlker in seinem Buch „Wer richtig kommuniziert wird reich – PR als Schlüssel zum Erfolg“ leider nur sehr unzureichend hin. Dadurch verwirrt er den Leser, denn ich möchte hier dem Autor keinerlei Klischee- und Schemadenken unterstellen, doch schon in seinem Vorwort ist die Rede von „lautstarken und selbstbewussten Amerikanern, herrischen Deutschen, charmanten Österreichern und schlauen Schweizern“. Und wenn dann ein paar Sätze weiter Tony Blair, Gerhard Schröder, Jürgen Schrempp, Jörg Haider und Adolf Ogis als „Great Communicators“ bezeichnet werden, ohne auf die Intention der Genannten einzugehen, dann scheint mir Stöhlker von der Eloquenz einzelner Personen geblendet zu sein, ohne die dahinter liegenden Gefahren erkennen zu können.

Wenn ein paar Seiten weiter dann die These geäußert wird, dass dissidente Minderheiten der herrschenden Mehrheitsmeinung zu einer demokratischen Legitimation verhelfen, weil die abweichende Meinung geduldet und deshalb das dominierende Bild richtig und gerecht sein muss, dann kann man bestenfalls noch verwundert den Kopf schütteln. Abgesehen von diesem moralischen und politischen Fauxpas, bei denen der Leser selbst entscheiden muss, welche Bedeutung er ihnen beimisst, kann das Buch jedoch durch seine Fachkompetenz überzeugen:

In sieben Kapiteln auf insgesamt 255 Seiten erzählt Stöhlker detailliert und mit viel Fachwissen von den Klippen, die es auf dem Weg zur erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit zu umschiffen gilt. Dabei liegt sein Augenmerk auch auf der virtuellen Kommunikation, der in den nächsten Jahren eine noch wesentlich größere Bedeutung zuteil werden wird. In den weiteren Kapiteln beschäftigt sich der Autor mit Kommunikation als Umsatz-Generator, Strategien und Planung der Public Relations und der Psychologie der erfolgreichen Kommunikation. Weitere Schwerpunkte legt Stöhlker außerdem auf die verschiedenen PR-Instrumente und liefert mit einer Praxis-Beschreibung und Erläuterungen zur Krisenprävention und Krisenmanagement hilfreiche Unterstützung für die praktische Umsetzung. Checklisten für verschiedene Krisenszenarien runden das gute Erscheinungsbild ab, lediglich die teilweise unklaren Aussagen, die sich leicht missverstehen lassen, werfen ein sehr schlechtes Licht auf „Wer richtig kommuniziert wird reich“.

Deshalb kann ich das Buch als gut geschriebenes und kompetentes Werk zum Thema PR nicht uneingeschränkt empfehlen. (Tino Hahn)

Titel: Wer richtig kommuniziert wird reich
Autor: Klaus J. Stöhlker
Verlag: Ueberreuter Wirtschaftsverlag
Seiten: 255
ISBN: 9783706407649

xDSL – Eine Einführung

Erstellt am: Juli 3rd, 2008

Die Anwendungen den neuen Medien sind noch immer recht beschränkt. Die Leitungskapazitäten sind teilweise zu gering. Wahre Geschwindigkeit ist nicht erreichbar. Alles soll sich ändern, denn DSL, der neue Breitbanddienst wird zu erschwinglichen Preisen eingeführt.

Thomas Starr, John Cioffi und Peter Silvermann sind die führenden Sachverständigen auf dem Gebiet der DSL-Protokolle. In ihrem Buch „xDSL – Eine Einführung“ vermitteln sie alle wichtigen Informationen des DSL-Standards. Die Merkmale von Übertragungsleitungen, Modulations- und Kodiermethoden, sowie Netzschichten und –architekturen sind ein Thema in diesem Buch.

Zum allgemeinen Verständnis trägt das erste Kapitel bei. Hier werden die DSL-Grundlagen klar und präzise erklärt. Neben einem Glossar mit dem wichtigsten Fachbegriffen erfährt der Leser alles über Reichweiten, Übertragungsraten und Alternativen des Breitbanddienstes.

Technisches Verständnis wird benötigt. Starr, Cioffi und Silvermann sind mehr als nur Autoren. Sie sind die Entwickler des DSL-Standards. Technische Grundlagen setzen sie voraus. Neben einer Übersicht und Erklärung aller vorhandenen DSL-Typen (HDSL, ADSL, IDSL, etc.) wird das Übertragungsverfahren mittels Twisted-Pair erläutert. Nicht nur die Infrastruktur wird untersucht. Besonders intensiv besprechen die Autoren Störungen und Nebengeräusche in den Leitungen. Vergleiche mit anderen Medien werden gezogen (Fiber-to-the-Home, Koax-Hybridlösungen, Satellitendienste, Drahtlose Netze).

Die verschiedenen existierenden Übertragungsverfahren, darunter Duplexübertragungsverfahren sind im Detail aufgeführt. Eine komplexe Anleitung digitaler Übertragungsmethoden führt über die technische Datenautobahn mit Leitungscodes, Grenzwerten und Kapazitäten.

Weitere Themen sind:

- Intersymbol-Interferenz, Entzerrung und DMT
- Initialisierung, Taktgabe und Leistung
- Netzverwaltung
- ADSL: Protokolle, Übertragungskonvergenzen

Das Buch ist ein technisches Referenzwerk. Es behandelt die technischen Grundlagen der Breitbanddienste xDSL (ISDN, HDSL, ADSL und VDSL). Einsteiger sollten den Titel nicht falsch verstehen. Das Buch unterstütz auf keinem Fall beim Kauf eines schnellen Internetdienstes. Vielmehr stellt es eine gelungene technische Referenz dar.

Titel: xDSL – Eine Einführung
Autor: Thomas Starr, John Cioffi, Peter Silvermann
Verlag: Addison-Wesley
Seiten: 521
ISBN: 3827315743

Der Sinn und die Sinne

Erstellt am: Juli 3rd, 2008

Das Buch handelt von alten und neuen Medien und lässt die wichtigsten Stationen der Mediengeschichte Revue passieren. Immerhin erfährt und versteht sich die heutige Weltgesellschaft im Übergang zum dritten Jahrtausend in erster Linie als Medien- und Informationsgesellschaft.

Jochen Hörisch, Literatur- und Medienwissenschaftler an der Universität Mannheim, sieht die frühe Medienwelt, im Bann von Stimme und Schrift, sinnzentriert, während sich die neue Medientechnik an die Sinne wendet und neue Kommunikationsverhältnisse schafft. Am Anfang, stellt der Autor fest, war der Sound, der Urknall vor etwa 12 Milliarden Jahren. In der Bibel heißt es: Zunächst war das Wort, das dann stimmlich erklingt. Ein eigenes Kapitel ist daher den Stimmen gewidmet. Da der Schöpfergott weder durch schriftliche Erlasse noch durch das Medium Geld den Kosmos erschaffen hat, kommt Hörisch zu folgendem Resultat: Sprechen rangiert als vorrangiges, Schreiben als sekundäres und Geld als pervers-artifizielles Medium.

Dass Menschen in essentieller Weise sprachbegabte Wesen sind, stellt auch Hörisch nicht zur Diskussion, aber er sieht in ihnen auch Wesen, die Bilder schaffen und Bilder benötigen. Vom Menschen als einem “Homo pictor” zeugen beispielsweise die berühmten Höhlenbilder in Lascaux.

Selbst Medienkritik hat es in der Antike schon gegeben. Platon hat sie geübt, als er das Abbild als defizienten Modus der reinen Idee abtat. Von hier aus schlägt der Autor eine Brücke zum frühen Monotheismus und religiös begründeten Bilderverbot, das im Islam noch heute besteht, während das Christentum die Lust am Bildermachen nie verworfen hat. Die Entstehung der Schrift, des phonetischen Alphabets mit 24 Buchstaben durch die Griechen, die Gründung der ersten Bibliothek wird beleuchtet sowie das Aufkommen von Buchdruck, Presse und Post. In den letzten Kapiteln geht es um neue Übertragungsmedien, um Radio, Fernsehen, CD-Rom, Computer und Internet

Im Gegensatz zur vorfotografischen, durch Bilderarmut gekennzeichneten Zeit leben wir heute in einer Epoche der Bilderflut. Wird das Buch eines Tages veralten? Der Autor glaubt nicht daran und hat, zusammen mit Robert Gernhardt, dafür gute Gründe.

Hörisch ergeht sich in diffizilen und geistreichen Gedankengängen, die hier nur oberflächlich und skizzenhaft angedeutet werden können. Doch so viel sei verraten: der bebilderte und sorgfältig, geradezu bibliophil gestaltete Band bereitet nicht nur ein intelligentes, sondern auch ein ästhetisches Vergnügen. Er stammt aus Enzensberger “Anderer Bibliothek”, der angeblich “schönsten Buchreihe der Welt” (so die Wochenzeitung “Die Zeit” ) und ist ein wahres Schmuckstück.

Titel: Der Sinn und die Sinne
Autor: Jochen Hörisch
Verlag: Eichborn Verlag
Seiten: 441
ISBN: 3821841958

„Apache und CGI“ von Markt und Technik, ist mal wieder ein Meisterwerk in Buchform. Schon bei der Einführung wird klar, hier waren Profis am Werk.

579 Seiten beschreiben von der ersten bis zur letzten Seite, die Einführung, Konfiguration und Administration, den mit über 60% Marktanteil, am meisten eingesetzten Web-Server.

Das Buch dient dem Anfänger, dem Profi und dem Entwickler, als hervorragender Leitfaden.

Schritt für Schritt weihen die Autoren die Newbies in das mächtige Serverwerk ein. Beschrieben werden die Anfänge vom World Wide Web und die daraus resultierenden Entwicklungen im Web-Serverbereich, bis hin zum eigenständigen Servertuning.

„Apache wurde von echten Benutzern entwickelt, die Probleme beheben und der in den frühen Tagen des Word Wide Web zur Verfügung stehenden Web-Server-Software Funktionen zufügen mussten. Aus diesem Grund wurde Apache zu einem Server, der die Dinge beherrscht, die reale Web-Sites benötigen.“

Nach diesem Leitfaden wird einem klar, Apache kann nur aus dem Linuxumfeld stammen. Und richtig, kaum ist man im zweiten Kapitel, schon stürzen Unix/Linuxbefehle auf einen ein, welche für Windowsuser wie Fremdwörter klingen. Sollte man zu dem Schluss kommen, dass das Buch lediglich für Unix/Linuxfreunde geschrieben wurde, so wird man enttäuscht. In jedem Kapitel wird ebenfalls auf die Windowsbasierte Version eingegangen.

Eine Vielzahl von Beispielen und Beschreibungen, als auch von Hintergrundwissen, lassen einem die Freude am Lesen und Testen nicht ausgehen, was auch mit der beigelegten CD sofort möglich ist.

Der größte Teil des Buches ist zwar der CGI-Programmierung gewidmet, aber andere Themengebiete, wie z.B. das Einsetzen als Proxy, oder Cache-Server, kommen nicht zu kurz.

Letztendlich und zum Schluss sei gesagt, dass das Buch nicht nur durch die Vielzahl von Anwendungsbeispielen und Hinweisen besticht, sondern auch animiert sich mehr mit Linux zu beschäftigen. Warum auch nicht ? Linux ist kostenlos. (Stephan Dunker)

Titel: Apache und CGI. Administration und Programmierung
Autor: R. Bowen, C. Coar
Verlag: Markt & Technik
Seiten: 579
ISBN: 3827258243

Professional BizTalk

Erstellt am: Juli 2nd, 2008

Der Microsoft BizTalk Server vereint Anwendungen mit Electronic Commerce, auf Basis von XML. Microsoft bezeichnet „BizTalk“ als Sprache der Geschäftswelt. „BizTalk“ ist ein auf XML basierendes Framework, mit dem Unternehmen die Möglichkeit haben Prozesse und Systeme zu integrieren. Beispielsweise können Produktkataloge oder Bestellungen mit Partnern ausgetauscht werden. Die Plattform oder das Betriebssystem spielt hier keine Rolle mehr.

Stephen Mohr und Scott Woodgate haben den BizTalk Server untersucht. Ein Regelwerk zu dem Microsoft-Produkt findet man mit dem englischsprachigen Buch „Professional BizTalk“ von Wrox Press. Von Wrox Press ist man es gewohnt, dass geballtes Wissen in einem Buch zusammengefasst wird. So verhält es sich auch mit diesem Buch. Über 700 Seiten beschäftigen sich allein mit den Möglichkeiten des BizTalk Servers. Besonders wichtig ist dabei die Integration bestehender Anwendungen, sowie Zeitpläne und Aufgabenbereiche. Damit beginnt auch das Buch. Eine Einführung in den BizTalk Server informiert grundlegend über die vorhandenen Möglichkeiten und bringt uns nach 100 Seiten zu den Spezifikationen. XML ist das Format für Nachrichten, Ausgaben und sämtliche andere Dateien.

Ebenso verhält es sich mit den BizTalk Messages, sogenannten Nachrichten die dem Austausch von Informationen, Produktunterlagen und Daten diesen. Dies ist das Kernstück des BizTalk Servers und somit auch des Buches. Die Nachrichtenverwaltung wird grundlegend behandelt. Zuerst erfährt der Leser, wie Nachrichten übersetzt und versandt werden, aber auch wie Nachrichten selbst erstellt und an die Warteschleife übergeben werden. Dann geben die Autoren einen Überblick über Verwaltung, Konfiguration und Administration dieses Dienstes. So geht es auch weiter in dem Buch, denn der BizTalk Server lebt, ähnlich wie der Vorgänger, die „Microsoft Message Queues“ von Nachrichten, die Daten austauschen.

So geht es sehr gezielt zur Intergration des BizTalk Servers in bestehende Anwendungen. Über Pipline-Komponenten oder den BizTalk Scriptor lassen sich Befehle ausführen. Die Pipeline sorgen für den Transport von Daten. Hier sind Programmierkenntnisse gefragt. Mohr und Woodgate gehen sehr ins Detail, was auch bei diesen Fachbüchern gewollt und sehr positiv ist.

Neben der Verarbeitung von Nachrichten spielt die Administration und Kontrolle eine sehr große Rolle. So zeigen die Autoren Möglichkeiten auf, mit denen man Nachrichten verfolgen kann. Ebenso kann man Empfangsbestätigungen für erfolgreich versandte Nachrichten anfordern. Aber auch das „Tracking“ ist möglich.

Im Anhang des Buches befindet sich zudem eine Anleitung zur Installation des BizTalk Servers, sowie eine Referenz zu XSLT und Xpath, der verwendeten Scriptsprachen.

Das Buch hält, wie auch andere Bücher des Verlags Wrox Press, ein hohes Level. Die Informationen, vielmehr aber das Themengebiet richten sich nicht unbedingt an den allgemeinen Anwender. Als Zielgruppe sind Programmierer zu sehen, die sich mit de BizTalk Server auseinandersetzen wollen.

Titel: Professional BizTalk
Autor: Stephen Mohr, Scott Woodgate
Verlag: Wrox Press
Seiten: 710
ISBN: 1861003293

SQL Server 2000 – Das Handbuch

Erstellt am: Juli 1st, 2008

Der „SQL Server 2000“ von Microsoft setzt die Qualitäten der Datenbanksoftware fort. Die umfassende Datenbanklösung für Unternehmen wurde erheblich erweitert. Web-Anwendungen, E-Commerce oder Data Warehousing, dies sind Schlagwörter mit denen der neue SQL Server vertraut ist.

Das gesamte Wissen zum SQL Server liefern Marci Frohcok Garcia, Jamie Reding, Edward Whalen und Steve A. DeLuca mit dem Buch „SQL Server 2000 – Das Handbuch“. Der SQL Server garantiert Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit. Doch ist das Paket recht umfangreich und nicht ohne weiteres zu bedienen.

Das Buch gibt zu Beginn eine recht umfangreiche Einführung in den Microsoft SQL Server. Hier erkennt man auf Anhieb, dass das Buch von Microsoft Press stammt, denn zusätzlich erhält der Leser einen Überblick über die Windows 2000 – Plattformen und deren Funktionalität. Der Einführung folgt die Installation und das Setup. Die Autoren beginnen beim Entwurf eines SQL Server-Systems auf Papier. Die Systemanforderungen und Komponenten werden mit dem Datenbanklayout abgeglichen. Die Abstimmung der Hard- und Software spielt bei Microsoft eine große Rolle, auch in diesem Buch. Die Autoren sprechen von Festplattencaches, RAID-Systemen und Elevator-Sortierung. Die eigentliche Installation wiederum wird nur kurz, aber ausreichend angesprochen. Weitaus mehr Betrachtung findet die Konfiguration der zahlreichen Dienste, das Erstellen von Datenbanken und das Konfigurieren von Clusterdienste und Netzwerken, beispielsweise ODBC-Verbindungen.

Wer mit Datenbanken arbeitet, kommt um die Datenbanksprache SQL nicht herum. Auch in diesem Buch ist eine Einführung in Transact-SQL zu finden. Neben den gängigsten Befehlen zur Selektion und Manipulation von Daten (SELECT, UPDATE) findet der Leser auch Befehle zum Sortieren von Daten. Darüber hinaus wird eine sehr wichtige Funktion angesprochen: das Erstellen von Idizes. Neben SQL werden leider nur kurz und knapp die „gespeicherten Prozeduren“ (Stored Procedures) und die „Trigger-Verwaltung“ abgehandelt. Hier wären weitaus mehr Informationen notwendig gewesen.

Wer bereits Erfahrung mit dem SQL-Server hat, wird sich mit den ersten Kapiteln nicht anfreunden können. Erst aber der Hälfte des Buches gehen die Autoren auf Themen ein, die sich mit integrierten Funktionen und der Optimierung des SQL-Servers beschäftigen. So werden die unterschiedlichen Arten der Replikation aufgeführt. Dazu zählen Snapshotreplikation, Transaktionsreplikation, Mergereplikation.

Zu guter Letzt sprechen Garcia & Co. noch ein wichtiges Themengebiet an: die Problembehandlung. Dieses Kapitel ist besonders bei der täglichen Arbeit mit dem SQL-Server goldwert. Denn hier wird beschrieben, wie Datenbanken wiederhergestellt oder gesichert werden. Auch das Lösen allgemeiner Leistungsprobleme wird aufgegriffen.

Bei diesem Buch lohnt es sich durchaus auch einen Blick auf den Anhang zu werfen, denn es sind sämtliche Konfigurationsparameter des Microsoft SQL Servers aufgelistet. Dem folgt eine Auflistung von Zugriffsmethoden und Funktionen zur Überwachung des SQL-Servers. In der Tat beinhaltet das Buch das gesamte Softwarewissen den SQL Servers 2000. Die Begleit-CD enthält eine deutsche Onlinedokumentation, sowie die komplette englischsprachige Version des Buches.

Heute ist der SQL-Server natürlich schon weiter in seinen Versionen. Aktuelle Software, die Microsoft CRM arbeitet bereits lange mit Microsofts SQL-Software.

Titel: SQL Server 2000 – Das Handbuch
Autor: Marci Frohock Garcia, Jamie Reding
Verlag: Microsoft Press
Seiten: 1020
ISBN: 3860631543

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: