Der kleine Machiavelli

Das kleine Handbuch der Macht ist eine Satire. Es ist eine Abrechnung mit den grauen Eminenzen, die von Statussymbolen umgeben, die Geschicke großer Konzerne lenken. Beinahe jedes Mittel muss dem erfolgreichen Aufsteiger, oder auch dem, der es gerne wäre recht sein, um den Karrierefluss in Gang zu halten.

Für Manager heißt das, dass man sich an die brancheninternen Grundsätze gebunden fühlt. Machtgewinn steht für das erklärte Ziel. Ständig gilt es den eigenen Marktwert zu steigern und sich möglichst perfekt die „Powerplay“-Gesetze anzueignen.

Trotz ihrer vielen Einschränkungen im Dienste der Macht sind Manager immer gefährdet, ihren Posten zu verlieren. Sobald irgendeine Panne geschieht, müssen sie als Sündenbock herhalten. Das Schlimmste, was ihnen passieren kann, ist die Entlassung per „goldenem Handschlag“. Deshalb haben die Autoren fürsorglich patente Rezepte zur Sicherung des Arbeitsplatzes zusammengetragen.

So sollten Manager, unbedingt verheiratet sein und über genügend Statussymbole verfügen. Sie sollten wissen wie man mit Kollegen umgeht, die man auf der Karriereleiter überholen möchte und was den ausgekochten Fuchs ausmacht, wenn er Feinde im Unternehmen hat. Ein Topmanager muss dafür sorgen, dass andere für ihn arbeiten, und er sollte diese fleißigen Bienen kontrollieren. Das kann er auch per Handy von seinem Feriendomizil aus, in dem er sich gerade ein verlängertes Wochenende gönnt. Die Regeln in dem Buch versprechen — richtig angewendet den Posten eines Direktors.

Eine erschreckend aktuelle und dabei sehr vergnügliche Satire auf eine Spezies, deren hohes soziales Prestige mit teilweise höchst zweifelhaften Verhaltensnormen einhergeht. (Silvia Dunker)

Titel: Der kleine Machiavelli
Autor: Peter Noll , Hans Rudolf Bachmann
Verlag: Knaur
Seiten: 173
ISBN: 3426775123

Keiner ist so toll wie wir

Die Österreicher sind die Besten und alle anderen Europäer sind Warmduscher, Waschlappen und Weicheier. Die EU-Sanktionen haben es endlich auch jenen bewiesen, die es nicht glauben wollten. Von den albernen Albanern über die blöden Briten, dämlichen Deutschen, frustrierten Franzosen und den lächerlichen Luxemburgern bis zu den zimperlichen Zyprioten.

Alle europäischen Länder werden in diesem Lexikon einer genauen, vorurteilsvollen Überprüfung unterzogen. Erscheinungsbild und Vorkommen, Geschichte und Geografie, Umgangsformen und Sprache.

Kein Detail wird hier ausgelassen, um Österreichs Überlegenheit zu dokumentieren. Zwangsläufig räumt das Buch dabei mit alten Legenden auf, etwa der Legende von der angeblich so glorreichen Geschichte der Schweden: Als Wikinger haben sie ja vor einiger Zeit halb Europa terrorisiert. Aber haben sie dabei die Gegend um den Wörthersee erobert? Nein. Grönland haben sie besiedelt. Also bitte. Die Autoren Robert Treichler und Markus Huber nähern sich in ihrem amüsanten Werk auf humoristische Weise jenen Vorurteilen, die in Österreich gegen andere Nationen gehegt werden. Politisch unkorrekt bis zur Schamlosigkeit bestätigen sie sämtliche Vorurteile.

Es darf gelacht werden – wenn auch bitter. Witzig, schonungslos aber nicht außergewöhnlich, da viele Vorurteile allseits bekannt sind. An mehreren Stellen merkt man, dass nach einigen Wortlauten krampfhaft gesucht wurde, aber für die kurze Unterhaltung oder zum Abschalten ganz o.k. (Silvia Dunker)

Titel: Keiner ist so toll wie wir
Autor: Markus Huber & Robert Treichler
Verlag: Ueberreuter
Seiten: 160
ISBN: 3800038005

Herren

Ein kleines , witziges und skurriles Werk aus einem Guss vom Anfang bis zum Ende ist das Buch von Warwick Collins: Herren.

In einem Londoner Viertel gibt es eine Herrentoilette. Drei Schwarze aus Jamaica arbeiten dort als Klomänner: Reynolds,Jason und Ez. Ez ist erst zuletzt dazugekommen.

Sie schrubben die Böden , reinigen die Kloschüsseln und beobachten die Besucher. Ez ist verwundert, als aus einer Kabine erst einer ,dann ein zweiter Gast kommt. Jason feixt und erklärt, das seien die “ Reptilien“. Erst allmählich dämmert es Ez, worum es sich da handelt.

Dabei gehen die Drei ihrem normalen Alltag nach: sie haben Familie, sie essen, sie trinken. Die sinnfälligen Alltäglichkeiten bei der Arbeit, der hintergründige Humor, mit dem über die Besucher berichtet wird, der Ernst des Lebens in Gestalt der Abgeordneten der Städtischen Betriebe, die über das Unwesen , das in den Toilettenräumen stattfindet, Klage führt,– alles kommt hier vor!

Die drei Klomänner sind sehr stoisch und komisch in ihren Wahrnehmungen. Mit kleinen Giftigkeiten werden die „Reptilien“, sprich Schwulen , geärgert und gestört. Schließlich hängt der Job vom reibungslosen Funktionieren des Arbeitsablaufs ab.

Die fast prüde Moral, mit der bis auf einen, Ez, die anderen ihren Frauen von ihrem „Berufsalltag“ nichts erzählen , ist einfach großartig! Und Jason hat gleich zwei Frauen! Alles ist ganz ruhig und witzig beschrieben. Auch das Ende bleibt völlig unspektakulär. Es sind die feinen, subtilen Beobachtungen, die diesen Roman zu einer wahren Delikatesse machen!

Ich habe bei der ganzen Erzählung Assoziationen wie: anrührend, skurril, ein wenig tragisch,– ja, in der Weltsicht von ganz „unten“ fast philosophisch! Meine Einstellung zu Klo-Männern oder- Frauen ändert sich vollständig! Kaum je habe ich daran gedacht, dass sie ja auch ein Innenleben, Gefühle, Gedanken, sogar Familie haben!

Ein sehr ,sehr sehr köstlich kleines Meisterwerk ist dieses Buch, und höchst empfehlenswert für Leute mit feinem Humor und Sinn für die sprachlich und inhaltlich gelungene Romangestaltung. (Claudine Borries)

Titel: Herren
Autor: Warwick Collins
Verlag: Antje Kunstmann Verlag
Seiten: 139
ISBN: 3888972590

Der Disco-Knigge

Wer bisher in Discos keinen oder nur mäßigen Erfolg hatte, der sollte sich eventuell Gedanken über sein Benehmen machen und sich von „Der Disco-Knigge“ zeigen lassen, wie man sich richtig verhält. Autor Nils Brennecke zeigt in seinem durchaus nicht allzu ernstzunehmenden Werk auf 79 Seiten, wie man alles richtig macht. Von Tipps über Körperstyling, den richtigen Umgang mit Türstehern, einem perfekt inszenierten Toilettenbesuch und dem Sprechen und Ansprechen in der Disco findet der angehende Disco-Casanova Hilfe in allen Lebenslagen. Sogar an Regeln für die Benutzung von Kondomautomaten wurde gedacht, falls die Anweisungen des Disco-Knigges wider Erwarten Früchte getragen haben.

„Der Disco-Knigge“ versteht sich in erster Linie als leicht ironisch angehauchtes, humorvolles Witzbuch, dessen Witze leider oft mit dem Boden des Niveaus kollidieren. Dabei weist der Autor mit einem Alter von 24 Jahren doch die richtige Kompetenz und Erfahrung auf, um altklug aus seinem Erfahrungsschatz zu berichten. In einer Selbstbeschreibung wird erwähnt, dass Nils Brennecke im Alter von drei Jahren beinahe wegen rüpelhaften Benehmens aus dem Kindergarten geflogen wäre, was wohl eine gute Visitenkarte für rüpelhaften Humor darstellen soll, aber definitiv keine ist. Anhand seiner bisherigen Bibliographie erkennt man sehr gut, welches Klientel seine anvisierte Zielgruppe ist, denn darunter tummeln sich Titel wie „Mit Fuchsschwanz und Spoiler – Mantawitze“ oder „Neues von der Geh-Hilfe – Trabiwitze“. Und die Fraktion der Witzbuchleser wird er auch mit seinem neuesten Werk glücklich machen, komplettiert er „Der Disco-Knigge“ doch mit einer Sammlung der besten SMS-Flirt-Sprüche. Und Humor, der sich auf maximal 160 Zeichen komprimieren lässt, muss ja der beste sein…

Fazit: Leidlich unterhaltsame Sammlung von Tipps und Tricks für das richtige Benehmen in einer Disco, doch was Ironie sein soll, enttarnt sich schnell selber als platter und banaler Humor, der nur vereinzelt ein Schmunzeln erzeugen wird. (Tino Hahn)

Titel: Der Disco-Knigge
Autor: Nils Brennecke
Verlag: Achterbahn AG
Seiten: 75
ISBN: 9783897192072

Rrrums! Von wegen Traumhaus

Claire erbt ein Cottage mit den verheißungsvollem Namen „ Paradise Cottage“. Leider erwartet sie kein idyllisches, Rosenberanktes Paradies sondern eine Bruchbude. Bewohnt wird besagte Bruchbude zu allem Überfluss von einem unkündbaren Mieter und dessen Haustier, einem Schwein.

Nach der ersten Ortsbesichtigung möchte sie die Erbschaft allerdings am liebsten wieder loswerden. Doch dann erwacht ihr Eigensinn. Claire beschließt, sich selber an die Renovierungen zu machen und stellt damit ihr ganzes Leben auf den Kopf. Sie sagt dem halb eingefallenen Dach, den Wurmzerfressenen Holzbalken und dem Schwamm in den Wänden den Kampf an. Sie beauftragt den smarten Bauunternehmer Aidan, der sich zu guter letzt als ihr Traummann entpuppt, für die gröberen Arbeiten am Haus und belegt selbst einen Handwerkerkurs.

Nebenbei räumt sich dann auch gleich mit Ihrem Leben auf. Sie versöhnt sich mit Ihrer lang verschwundenen Mutter, die Claire und ihren Bruder Pete verließ als sie acht war, und nur in Form von Ansichtskarten von sich hören ließ. Ihr Vater hatte sie und Peter großgezogen, dann eine Frau geheiratet die nur zwei Jahre älter war als seine eigene Tochter und eine neue Familie gegründet. Als Sie ihn um Geld für die Renovierung bittet, lässt er sie im Stich. Mit finanzieller Unterstützung ihrer Mutter schafft sie es dennoch das Cottage bewohnbar zu machen.

Zu allem übel versucht Claires langjähriger Lebenspartner Kieran, dass Cottage hinter ihrem Rücken zu verkaufen. Kurzerhand trennt sie sich von ihm. Das bleibt wiederum Aidan nicht lange verborgen. Und es ist sehr schnell abzusehen, dass Claire am Ende das bekommt, was ihr gefehlt hat und dass alle Probleme gelöst werden. Das Schicksal hält keine Überraschungen bereit und man weiß von Anfang an, woran man ist.

Das Buch verspricht mehr Humor als es wirklich zu bieten hat. Es lässt sich zwar schnell und unterhaltend lesen, doch so richtig zum Lachen ist es bei aller Liebe nicht. Die Geschichte an sich ist nett, aber ich fand ein wenig vorhersehbar.

Man kann nicht generell sagen, dass es ’schlecht‘ ist, aber für mich fällt es definitiv unter die Kategorie ‚Na gut, da hat einer ein Buch geschrieben‘. Es hinterlässt einfach keinen Eindruck. (Silvia Dunker)

Titel: Rrrums! Von wegen Traumhaus
Autor: Zoe Barnes
Verlag: dtv
Seiten: 415
ISBN: 3423242523

Diabolische Verse

„Altnazis stehn auf schwarzen Listen,
doch ehrt man alte Kommunisten.
Die einen liquidierten Rassen,
die andern unerwünschte Klassen.
Ich hab gegrübelt früh bis spät,
worin der Unterschied besteht.
Bis sie da neulich einen guten
Und alten Kummerl interviewten.
Der sprach zum einen kategorisch,
von der Notwendigkeit, historisch,
dass man Revolution gemacht,
die leider viele umgebracht.
Die Nazis aber, fuhr er fort,
war’n stolz auf ihre Massenmord,
doch Kommunisten sehn den ihren
als Fehler, und der kann passieren.
Leicht will mich nun die Antwort dünken
: Die bessern Heuchler sind die Linken.“

Wolf Martin genießt es förmlich, Öl ins Feuer zu gießen und für Aufregung zu sorgen. Seit mehr als zehn Jahren erscheinen seine zumeist politisch orientierten Gedichte unter dem Titel „In den Wind gereimt“ in Österreichs auflagenstärkster Zeitung „Neue Kronen Zeitung“. Martin entstammt der politischen Linken, schreckt jedoch niemals davor zurück, auch Linke anzugreifen und zu provozieren, wie oben zitiertes Gedicht aus seinem Werk „Diabolische Verse“ sehr schön zeigt. Vom Titel her deutlich bei Salman Rushdies kontroversem Werk abgekupfert, wird Martin wohl keine ähnlich drakonischen Drohungen und Verfolgungen befürchten müssen wie Rushdie, doch provoziert und angegriffen dürfte sich doch so mancher fühlen. Dabei ist die Ablehnung, auf die er allenthalben stößt aufgrund seiner Gedichte, schon fast zum Stereotyp geworden, den Martin und die „Neue Kronen Zeitung“ beinah leidenschaftlich pflegen. Insbesondere Martin muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass jemand, der alles attackiert, selber angreifbar wird. Deshalb sollte man bei der Lektüre seiner Gedichte objektive Distanz wahren und erst überprüfen, ob man mit seinen Ansichten wirklich übereinstimmt oder ob er nur attackiert um der Attacke willen. Zu seiner Ehrenrettung muss man allerdings zugeben, dass Martin oftmals vollkommen recht hat mit seinen Gedichten und über das Ziel sind schon ganz andere hinausgeschossen.

Fazit: „Diabolische Verse“ entstammen der Feder des Linken Wolf Martin und attackieren alles, was ihm querkommt. Deshalb sollte man bei der Lektüre Obacht walten lassen und seine Ansichten nicht zwangsläufig unreflektiert teilen. Prinzipiell lohnt sich der Kauf der Gedichtsammlung, wenn man keiner anderen politischen Gesinnung anhängt und keine berechtigte Kritik vertragen kann. (Tino Hahn)

Titel: Diabolische Verse
Autor: Wolf Martin
Verlag: Leopold Stocker Verlag
Seiten: 188
ISBN: 370200937X

Was tun, wenn’s brennt

„Manowsky rasierte sich neben Pritt am Computerterminal. „Gruppe 36 war so eine Art autonomer Filmclub irgendwo in Kreuzberg“, rekapitulierte sie. „Die Chaoten haben geklaute Filmkopien gezeigt, verschnitten mit eigenen Propagandafilmen. Richtig?“ „Richtig.“ Manowsky legte sein Rasierzeug beiseite, wischte sich mit einem feuchten Handtuch den Schaum aus dem Gesicht. „Wir brauchen Veranstaltungshinweise, Melderegister, Datenabgleich von Sozialversicherungsnummern und so weiter.“ Er tippte auf einen der Computer. „So was können doch die Dinger heutzutage, oder?“ „Na, ich denke doch“, sagte Pritt grinsend.

„Dann soll dieser Typ vom BKA doch mal zeigen, was er kann“, befand Manowsky. „Wo steckt der eigentlich?“
Er sah sich suchend um.

Dieser kleine Textauszug aus „Was tun, wenn’s brennt“ macht wieder einmal exemplarisch deutlich, woran leider viel zu viele ‚Bücher zum Film’ kranken: Fehlende Atmosphäre und laue Dialoge, die oftmals 1:1 von der Leinwand übernommen scheinen. Autor Ulrich Hoffmann hat sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, dabei bekamen die Drehbuchautoren Anne Wild und Stefan Dähnert für ihr Drehbuch sogar den Baden-Württembergischen Drehbuchpreis. Doch die Umsetzung in Buchform fungiert nur als weiteres Rädchen in der Merchandisingmaschinerie neben Postern und Soundtrack.

Der Unterhaltungswert der Story wird durch den Stil des Autors, der nur solides Handwerk einsetzt, allerdings nur unwesentlich gesenkt, denn die Vorlage war auch kein potentieller Nobelpreisgewinner, sondern lediglich ein humoresk angehauchter Versuch, einen Teil der deutschen Vergangenheit aufzuarbeiten. Im Mittelpunkt der Story stehen sechs Jugendliche, die man uns als sympathische Hausbesetzer verkaufen möchte, doch jeder der sechs ist nur eine Schnittmenge gängiger Klischees. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der ganzen Story, die eine interessante Grundidee besitzt: Ursprünglich wollten die sechs einen leerstehenden ‚Kapitalistenbau’ in die Luft jagen, doch die selbstgebaute Bombe streikt und die Jugendlichen gehen auseinander. Jahre später explodiert die Bombe dann noch und die Sechs, die eigentlich gar nichts mehr miteinander gemein haben, müssen jetzt gemeinsam überlegen und eine Antwort auf die Frage suchen: „Was tun, wenn’s brennt?“

Doch die interessante Grundidee wird durch die Handlung nicht aufgefangen, sondern plätschert lustlos vor sich und kumuliert schließlich irgendwann in einem Finale, das der Leser schon lange vorher herbeisehnt.

Fazit: „Was tun, wenn’s brennt“ ist eines jener Bücher zum Film, die man sich getrost sparen kann und stattdessen nur den Film schauen braucht. (Tino Hahn)

Titel: Was tun, wenn’s brennt
Autor: Ulrich Hoffmann
Verlag: Knaur Verlag
Seiten: 325
ISBN: 3426619652

Neu aufgelegt: WIE HABEN SIE’S GEMACHT?

Nach dem großen Erfolg von WIE HABEN SIE’S GEMACHT liegt der Titel nun in der zweiten Auflage vor.

Seit den frühen Tagen des Films verblüffen Filmtricks die Zuschauer und geben dem Film seine glaubhafte visuelle Wirkung. Erstaunlicherweise waren schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts alle wichtigen Tricks von Filmpionieren erfunden und in der Folgezeit wurden nur noch Modifikationen ausgeführt. Im europäischen Kino hat das Filmstudio in Babelsberg dabei immer eine Vorreiterrolle gespielt.

Dieses Buch stellt in fiktiven und realen Interviews die großen Trickspezialisten aus Babelsberg vor und erklärt ihre Vorgehensweise. Eigens für dieses Buch wurden Modelle gebaut, die die Wirkung der Filmtricks demonstrieren und in dem Buch mit Bildsequenzen erläutert werden.

Uwe Fleischer, Helge Trimpert:
Wie haben sie’s gemacht…? Babelsberger Kameramänner öffnen ihre Trickkiste,
Marburg (Schüren Verlag), 2. Aufl. 2007, 176 S., Pb., ISBN 978-3-89472-384-2, 19,90 € / 38,40 sFr

Untersucht: MEDIALE ORDNUNG

Das Erzählen prägt in zentraler Weise die Medien. Im Changieren zwischen Beschreiben und Darstellen, Präsentieren und Berichten bestimmt es in vielfältiger Weise die Angebotsstrukturen der Medien – und dies nicht nur in den fiktionalen Formen, sondern auch in den faktualen (dokumentarischen) und anderen Modi der kommunikativen Vermittlung von Inhalten. Erzählen schafft Ordnung im Erzählten, es grenzt aus und schließt ein, es bildet Abfolgen, stellt Kausalitäten her, und dies nicht nur mit Hilfe der Worte, sondern auch mit Bildern, mit Tönen und Geräuschen, häufig auch in einer komplexen Kombination aller medialen Elemente.

Der vorliegende Band nimmt unterschiedliche Aspekte des Themas auf und geht von einem breit gefächerten narratologischen Verständnis aus. Behandelt werden nicht nur die durchaus im Zentrum stehende Spielfilm- und die fiktionalen Fernsehformen, sondern auch Fragen nach dem Erzählen bei Shows, bei Computerspielen und Webpages bis hin zu klangbildnerischen oder assoziativen Erzählverfahren in audiophonen Produktionen.

Corinna Müller, Irina Scheidgen (Hrsg.):
Mediale Ordnungen. Erzählen, Archivieren, Beschreiben.,
Marburg (Schüren Verlag), 2007, 328 S., Pb., ISBN 978-3-89472-533-4, 29,90 € (D) / 49,90 sFr

Ausspioniert: “Das kleine Bond Buch“

Anders als die Anderen – das kleine Bond Buch, das Bond und seine Fans liebevoll auf die Schippe nimmt und einige sonst vernachlässigte Aspekte der Bond-Rezeption aufs Korn nimmt – und nebenbei die Kulturwissenschaft und ihre Arbeitsweise einer breiteren Öffentlichkeit vorstellt.

So werden Fragen nach Bonds Vorlieben für teure Hotels und exotische Inseln, seinem Erfolg und seiner Männlichkeit, seiner Rolle im Reggae oder nach der physikalischen (Un-) Möglichkeit seiner Stunts kenntnisreich und mit einem Augenzwinkern beantwortet. Warten auf den neuen Bond-Film – das ist auch für Kulturwissenschaftler eine harte Sache. Also rücken sie dem Phänomen Bond mit ihrem ureigenen Handwerkszeug zu Leibe, mit strukturalistischen Ansätzen, Psychoanalyse, Gender-Theorien, ökonomischen, transnationalistischen und postkolonialen Fragestellungen mit den Primärtexten (den Romanen), den eigentlichen Film-Texten und ihren Kontexten (der Rezeption und den gesellschaftlichen Wertvorstellungen).

DAS KLEINE BOND BUCH ermöglicht viele neue und recht vergnügliche Blicke auf das Phänomen James Bond – doch 007 übersteht auch diesen Angriff.

Ellen Grünkemeier, Martina Iske, Jürgen Kramer, Anette Pankratz, Claus-Ulrich Viol (Hg.):
Das kleine Bond-Buch, Marburg (Schüren Verlag), 2007, 200 S., Pb., ISBN: 978-3-89472-499-3, 14,90 € (D) / 29,- SFR

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