Das Haus der Schwestern

Erstellt am: September 16th, 2007

Die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel 1996/1997 möchte die erfolgreiche deutsche Strafverteidigerin Barbara gemeinsam mit ihrem Mann Ralph auf Westhill, einem einsamen Gutshof in Yorkshire, im Norden Englands, verbringen. Sie hofft, auf diese Weise in ihre Ehe, die in eine schwere Krise geraten ist, noch mal ein wenig frischen Wind bringen und ihr damit eine neue Chance gegen zu können.

Doch wie der Zufall so spielt – kaum ist hat sich das Ehepaar in seiner Ferienbehausung wohnlich eingerichtet, bricht ein heftiger Schneesturm los, durch den das Haus schließlich völlig von der Außenwelt abgeschnitten wird. Die Stromversorgung ist zusammengebrochen, die Telefone bleiben stumm, die Heizung funktioniert nicht mehr und obendrein sind im ganzen Haus bis auf ein paar kärgliche Reste kaum noch Lebensmittel zu finden. Barbara und ihr Mann müssen Hunger leiden und um nicht zu erfrieren sind sie gezwungen, das in einem Schuppen lagernde Holz ofenfertig zu verarbeiten. Die Stimmung zwischen den Eheleuten wird immer unfreundlicher. Da findet Barbara durch Zufall im Schuppen unter einer losen Fußbodendiele ein viele Seiten umfassendes Tagebuch, das im Jahre 1980 von Frances, der ehemaligen Besitzerin von Westhill, kurz vor deren Tode geschrieben wurde.

Die Aufzeichnungen beginnen mit der Jugend der Verfasserin zur Zeit der Jahrhundertwende und enden im Jahre 1943 mit einem dramatischen Finale. Frances, eine intelligente, selbstbewusste und unbeugsame Frau hat viel erlebt. Sie unterstützte die Suffragetten bei ihrem Kampf um das Frauenwahlrecht und ging dafür sogar ins Gefängnis, half während des ersten Weltkrieges in einem Lazarett in Frankreich, verhalf der in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen elterlichen Farm in Westhill zu neuer Blüte, nahm später, während des zweiten Weltkrieges die Töchter ihrer Londoner Freundin in ihren Haushalt auf. Doch das schlimmste Trauma ihres Lebens konnte sie nie verwinden: Ihr Nachbar John, mit dem sie seit frühester Jugend eine besondere Beziehung verband, ehelicht ihre hübsche Schwester Victoria. Doch es ist nicht die Treulosigkeit Johns oder Victorias, die zu dieser Verbindung führt – Frances muss es ihrem eigenem Zögern und ihrer Unentschlossenheit zuschreiben, dass der einzige Mann, den sie je geliebt hat, ausgerechnet ihre Schwester, zu der Frances seit jeher ein von Eifersucht und Missverständnissen geprägtes Verhältnis hat, heiratet.

Barbara beginnt in Frances Autobiografie zu lesen und kann sich nicht mehr davon losreißen, auch weil sie glaubt, viele Gemeinsamkeiten zwischen sich und der längst verblichenen Autorin zu entdecken.

Als Barbara schließlich herausfindet, dass die Geschichte noch immer nicht zu Ende ist, als sie erkennt, welche Rolle Fernand, der reichste Mann des Ortes und Laura, die alte Dame, die ihnen das Haus vermietet hat, spielen, kommt es, kurz bevor endlich die Räumfahrzeuge eintreffen, und den Anschluss von Westhill an die Welt wieder herstellen, zum Eklat …

Charlotte Link erzählt die Lebensgeschichte von zwei Frauen und entwirft auf diese Weise ein Panorama unseres Jahrhunderts. Sie erzählt dabei so plastisch, dass wir eintauchen in die englische, ländliche Idylle des Sommers 1907 und in die Londoner Gesellschaft des Jahres 1910. Wir nehmen teil an den Empfindungen einer jungen Frau, die sich den Gräueln des Krieges gegenübersieht und spüren ihre persönliche Verletzung und Demütigung, die sie empfinden muss, als sie sich plötzlich und unerwartet auf der Hochzeit ihrer Schwester und ihres Freundes John wiederfindet. Die Personen des Romans sind klar gezeichnet und die unterschiedlichen Charaktere sind glaubwürdig. Was mich allerdings stört, ist die große Zahl von Depressiven, die das Buch bevölkern. Fast jede Romanfigur schleppt eine nicht heilen wollende Seelenwunde mit sich herum.

Sicher ist es weder wünschenswert noch sinnvoll, ein Buch ausschließlich mit Clowns, Spaßvögeln, frohgemuten Sonnenkindern und anderen fröhlichen Gemütern auszustatten, doch eine winzige Prise Heiterkeit, ein kleiner Hauch Humor hätte Charlotte Links Roman gewiss sehr gut getan.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Das Haus der Schwestern
Autor: Charlotte Link
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 599
ISBN: 3442448360

Triage

Erstellt am: September 16th, 2007

Der Kriegsberichterstatter Mark wird in Kurdistan verletzt und kehrt nach New York zurück. Dortige gesundheitliche Probleme stellen sich bald als Folgeerscheinung einen psychischen Traumas heraus. Der etwas zwielichtige Großvater seiner Lebensgefährtin bietet ihm unkonventionelle Hilfe an. Doch seine Freundin sträubt sich dagegen, weil sie jeden Kontakt mit ihm wegen einer Vergangenheit im faschistischen Spanien abgebrochen hat, und sie fürchtet, dass er versucht sich auf diese Art wieder in ihr Leben zu drängen. Mark jedoch gefällt seine Methode, sein Trauma zu beseitigen, und er will es damit versuchen.

Der Autor war selbst erfolgreicher Kriegsberichterstatter und kennt daher die Materie, über die er in seinem Debütroman schreibt. Obwohl die Erlebnisse der Hauptfigur in den Krisenregionen nur eine Nebenrolle spielen und es hauptsächlich um die innere Befindlichkeiten der drei Protagonisten und ihrer Beziehungen zueinander geht.

Ein eher ruhiges Buch mit kurzen, dann aber sehr dramatischen Einschüben wenn Erlebnisse aus dem Berufsleben der Hauptfigur erzählt werden.

Kritik wurde geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von www.buchkritik.at

Titel: Triage
Autor: Scott Anderson
Verlag: Alexander Fest Verlag
Seiten: 287
ISBN: 3828600344

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